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Dank Air Force One: Trump twittert auch in China "was immer er möchte"

8. November 2017, 16:47

US-Präsident wird beim Staatsbesuch nicht der "Großen Firewall" behindert

Twitter-König Donald Trump muss auch im Reich der Zensur nicht auf sein Lieblingsmedium verzichten: Trotz des chinesischen Verbots des Kurzbotschaftendienstes kann der US-Präsident während seines Staatsbesuchs in China weiter auf Twitter zugreifen. Auch von China aus twittere der Präsident "was immer er möchte", versicherte ein Vertreter des Weißen Hauses am Mittwoch.

Trump stehen dafür nun sogar 280 Zeichen pro Tweet zur Verfügung – statt bisher 140 Zeichen. Twitter hat vor kurzem das Limit verdoppelt.

Zugang via Air Force One

Entwarnung also für viele Internetnutzer, die eine zeitweilige Stilllegung des präsidialen Twitter-Accounts befürchtet hatten. Vielmehr setzte Trump schon wenige Stunden nach seiner Ankunft am Mittwoch in Peking seinen ersten Tweet ab: "DANKE für einen unvergesslichen Nachmittag und Abend in der Verbotenen Stadt in Peking", schrieb er und richtete sich damit an Chinas Präsidenten Xi Jinping und dessen Ehefrau Peng Liyuan.

Ermöglicht wird Trump der Zugang zu Twitter in China laut Weißem Haus durch seine Präsidentenmaschine Air Force One, deren Ausrüstung auch auf Auslandsreisen für lückenlosen Internetzugang und sichere Verbindungen sorgt. Von der weitreichenden chinesischen Zensur westlicher Medien bleibt Trump also verschont.

Empfindliche Strafen

In China stehen seit 2013 hohe Geldstrafen oder bis zu drei Jahre Haft auf bestimmte diffamierende Kurzbotschaften. Verboten sind zudem seit 2016 Inhalte, die die "nationale Ehre" verletzen, die "wirtschaftliche und soziale Ordnung stören" oder das "sozialistische System umstürzen" wollen. Der chinesische Staat überwacht das Online-Verhalten einzelner Bürger ganz genau.

Die Seiten westlicher Internetriesen wie Twitter, Facebook und Google sind in China unter dem Vorwand der Gewährleistung "nationaler Sicherheit" gesperrt. In den vergangenen Monaten hat die Regierung ihre Zensurmaßnahmen sogar noch verschärft und unter anderem Klatsch-Blogs über Prominente oder Seiten wegen "Obszönität" blockiert.

Nicht von Zensur betroffen

Als Präsident der Vereinigten Staaten bekommt Trump den strengen Zensurapparat aber nicht zu spüren. Dank der US-Technologie kann er seine Meinung auch in China ungehindert hinausposaunen. "Das ist seine Art, unmittelbar mit der amerikanischen Bevölkerung zu kommunizieren. Warum nicht?", sagte ein Vertreter des Weißen Hauses zu Reportern an Bord der Air Force One.

Auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo, das monatlich von über 300 Millionen Menschen genutzt wird, hatten sich zuvor Spekulationen über Trumps Twitter-Verhalten während seines Besuchs in China gehäuft. Einige Nutzer hatten dem US-Präsidenten vorgeschlagen, sich für die Dauer seines Aufenthalts einfach einen Weibo-Account zuzulegen.

"Herrschaft durch Twitter"

Seit Trumps Amtsantritt im vergangenen Jahr witzelten viele Chinesen im Hinblick auf das exzessive Twitter-Verhalten des Präsidenten, dass es in den USA eine "Herrschaft durch Twitter" gebe. Trump ist für seine intensive Nutzung des Mediums berüchtigt und hat mit seinen Kurzbotschaften immer wieder für internationales Aufsehen gesorgt – er nutzt Twitter nicht nur, um wichtige Entscheidungen zu verkünden, sondern auch um Verbündete zu kritisieren, Gegner zu schmähen und verfeindeten Staaten wie Nordkorea offen mit Zerstörung zu drohen.

Ohne die Ausstattung seiner Air Force One hätte Trump am Mittwoch eine kleine Twitter-Revolution verpasst: Der Kurzbotschaftendienst verdoppelte die zulässige Textlänge für einzelne Tweets auf 280 Zeichen – rund elf Jahre nach seiner Unternehmensgründung. Auf seiner Asienreise machte Trump direkt von der Neuerung Gebrauch. Sein erster Tweet in Extralänge – vor seinem Abflug nach China von Südkorea aus – fiel allerdings untypisch unspektakulär aus. (APA, 08.11.2017)

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