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AT&T und Time Warner könnten CNN für Fusion opfern

9. November 2017, 23:37

Das US-Justizministerium will den Riesenverkauf nicht ohne weiteres durchgehen lassen. Der Verkauf von CNN als Auflage ist möglich

Washington – Die geplante Fusion des US-Telekommunikationsgiganten AT&T und des Medienkonzerns Time Warner (Warner Bros., HBO, CNN) steht vor weiteren Hürden. Die beiden Unternehmen verhandeln schon länger mit den Kartellwächtern des US-Justizministeriums über eine Genehmigung des Deals im Volumen von 85,4 Milliarden Dollar (73,5 Milliarden Euro).

Am Mittwoch stand dann ein mögliches Zugeständnis im Raum, um die US-Justiz von der Genehmigung des Verkaufs zu überzeugen: Time Warner könnte das Mutterunternehmen des Nachrichtensenders CNN verkaufen – oder AT&T seinen Pay-TV-Anbieter Direc TV. Ein Informant im Justizministerium sagte der Nachrichtenagentur Reuters, AT&T habe angeboten, nur den Sender CNN anstatt des gesamten Unternehmens Turner Broadcasting zu verkaufen. Dies sei von der Anti-Monopolabteilung des Ministeriums aber abgelehnt worden.

Niemand will Verkauf ins Spiel gebracht haben

Verwirrung herrscht allerdings darüber, wer in den Verhandlungen zwischen Justizministerium und Unternehmen die Idee des CNN-Verkaufs aufgebracht hat. Reuters zitiert Teilnehmer des Treffens, dass AT&T angeboten haben soll, CNN zu opfern. Das bestreitet Unternehmenschef Randall Stephenson aber: "Ich habe nie angeboten, CNN zu verkaufen, und habe das auch nicht vor." Sollte man keine Einigung bei den Verhandlungen erzielen, werde AT&T den juristischen Weg einschlagen.

Unterdessen zitiert die "New York Times" Quellen auf Unternehmensseite, die behaupten, das Justizministerium habe den Verkauf von CNN oder Direc TV gefordert. Nach ersten Berichten am Mittwoch stellten Vertreter der Justiz aber klar, dass ein Verkauf eines der beiden Unternehmen nicht ausreichen würde, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Trump gegen Fusion

Die Fusion der beiden Unternehmen wäre einer der größten Deals in der Branche weltweit. AT&T will durch die Übernahme einen strategischen Vorteil gegenüber Mitbewerbern erzielen. US-Präsident Donald Trump wetterte schon im Wahlkampf gegen den Deal und versprach, ihn als Präsident zu verhindern – wie er auch CNN immer wieder für seine kritische Berichterstattung kritisiert. Vertreter des Justizministeriums beteuerten am Mittwoch, sie hätten keine Weisung aus dem Weißen Haus erhalten. (Reuters, red, 9.11.2017)