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Mandate futsch: Wo sich die Grünen nun betätigen

10. November 2017, 07:00

Ex-Klubchef Steinhauser arbeitet für die Bundespartei an einem Konzept, wie "die grüne Wiese" wieder erblühen soll

Wien – Keiner war so schnell weg wie Dieter Brosz: Kurz nach dem Rausflug der Grünen aus dem Nationalrat verschickte der Sport- und Mediensprecher der Partei an seine Gesinnungsfreunde bloß ein dürres Abschiedsmail, wird vorwurfsvoll erzählt. Schon vier Tage nach der Nationalratswahl gab der bald 49-Jährige dann über die APA seinen völligen Rückzug aus der Politik bekannt – "auf allen Ebenen". Brosz, der sich in den letzten Jahren auf Verhandlungstrainings spezialisiert hat, will sich jetzt damit selbstständig machen.

Nicht alle der bisher 21 grünen Abgeordneten tun sich derzeit so leicht, eine neue Laufbahn einzuschlagen. Viele waren Vollzeitmandatare, die meisten traf das Aus für den Nationalratsklub derart überraschend, dass sie bis dato keinen konkreten Plan haben. Andere wiederum bitten auf Anfrage "um Verständnis", dass sie ihre nächsten Karriereschritte – weil nun Privatperson – nicht in der Öffentlichkeit breittreten wollen.

Zurück in rote Domäne

Immerhin: Der bisherige Klubchef Albert Steinhauser, einst Arbeitsrechtler bei der Gewerkschaft der Privatangestellten, wird demnächst wieder bei der GPA, einer traditionell eher roten Domäne, anfangen. Den Grünen möchte er aber als "ehrenamtlicher Aktivist" erhalten bleiben. Derzeit arbeitet Steinhauser an einem Konzept, "wie wir in Dürrezeiten die grüne Wiese zum Blühen bringen", das er auch den Landesorganisationen zur Debatte vorlegen will. Das Ziel sei aber für alle jetzt schon ganz klar: "Wir wollen zurück ins Parlament."

Auch Ex-Rechnungshofsprecherin Gabriela Moser kehrt zu ihrem früheren Dienstgeber zurück – ans Akademische Gymnasium in Linz. Die 63-jährige AHS-Lehrerin für Deutsch und Geschichte hat aber zunächst Bibliotheksdienst und Betreuungsarbeit vereinbart, um den Schülern einen Lehrerwechsel unterm Jahr zu ersparen. Besonders bitter für die Aufdeckerin in Sachen Buwog: Den Strafprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und weitere 14 Angeklagte ab Mitte Dezember kann sie nicht mehr als Abgeordnete mitverfolgen. Trotzdem sagt sie: "Ich schaue mit Freude zurück, dass das noch geklappt hat – nun sind die Mühlen der Justiz am Zug."

Projekte statt Politik

Der bisherige Bildungssprecher Harald Walser, als vormaliger Direktor des Gymnasiums im Vorarlberger Feldkirch bereits pensionsberechtigt, will sich als studierter Historiker bald wissenschaftlichen Projekten widmen – vor allem rund um die NS-Zeit, die jüdische Geschichte und die Arbeiterbewegung in Österreich. Bei den Grünen möchte er sich auch künftig einbringen – "soweit gewünscht".

Ähnlich Julian Schmid, mit seinen 28 Jahren bis vor kurzem grüner Jungmandatar, der sich weiterhin für "grüne Ideen" starkmachen will. Was seine berufliche Zukunft betrifft, ist der Kärntner zwar "noch am Sondieren" – aber immerhin habe er einen Bachelor in Politikwissenschaft, sagt er, "im Gegensatz zu unserem künftigen Bundeskanzler". Und, ebenfalls augenzwinkernd gemeint, den ganzen Sommer über bereits Praktika gemacht – etwa in einer Kfz-Werkstätte, bei einem Friseur, in einem Hotel, bei einem Lebensmittelriesen und auf einer Baustelle. "Berufsbegleitend" wird Schmid voraussichtlich aber noch ein wirtschaftswissenschaftliches Masterprogramm draufsetzen. Eine Option ist für ihn auch die Selbstständigkeit, etwa mit einer Geschäftsidee zur "Nachhaltigkeit".

Ob sich auch Werner Kogler als Chef der Bundesgrünen wegen der Finanznöte der Partei um einen Job umsehen muss, entscheidet sich erst demnächst. Der bisherige Verkehrssprecher Georg Willi hat jedenfalls einiges in Tirol zu tun: Er ist schon lange vor der Wahlschlappe zum grünen Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten in Innsbruck gekürt worden – für die dortige Gemeinderatswahl im April. (Nina Weißensteiner, 10.11.2017)