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Deutsche Finanzaufsicht warnt Verbraucher vor ICOs

9. November 2017, 16:00

Behörde: Bei höchst spekulativen Investments ist auch Totalverlust der Investition möglich

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin warnt offiziell vor dem Erwerb von Kryptowährungen im Rahmen sogenannter Initial Coin Offerings (ICO). Solche Platzierungen würden für den Verbraucher erhebliche Risiken mit sich bringen, mahnte die Behörde am Donnerstag.

"Höchst spekulativ"

"ICOs sind höchst spekulative Investments. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass auch ein Totalverlust ihrer Investition möglich ist", so die Behörde. Nicht selten seien Betrüger am Werk. ICO ist laut Wikipedia eine unregulierte Methode des Crowdfunding, die von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert. Mit dieser Methode der erstmaligen Kapitalaufnahme vermeiden Kryptowährungs-Firmen den streng regulierten Prozess der Kapitalaufnahme.

Bekanntestes Beispiel für eine Kryptowährung ist Bitcoin, deren Kurs an der Cyberbörse Bitstamp zuletzt bis auf fast 8.000 Dollar (6.902,50 Euro) gestiegen ist. Ende 2016 kostete ein Bitcoin noch weniger als 1.000 Dollar. Fast täglich entstehen neue Internetwährungen. Laut der Branchenwebsite Coinmarketcap.com gibt es mittlerweile rund 1.270 Währungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 Mrd. Dollar.

Anleger müssten sich der Risiken bewusst sein, und genau hinschauen, betonte die BaFin. "Die systembedingte Anfälligkeit von ICOs für Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erhöht das Risiko, dass Anleger das eingesetzte Kapital verlieren, auch aufgrund notwendiger Maßnahmen der Behörden gegen Betreiber oder sonstige Personen und Unternehmen, die in solche illegale Geschäfte einbezogen sind."

In China und Südkorea verboten

Die Methode zur Kapitalbeschaffung hat schon länger die Aufseher auf den Plan gerufen, China und Südkorea haben ICOs mittlerweile verboten. Obwohl der Name an ein Intial Public Offering (IPO), also einen regulären Börsengang erinnert, hat ein ICO damit nichts zu tun. Dennoch können ICOs für junge Unternehmen attraktiv sein, weil sie sich so ohne den Aufwand eines streng regulierten Börsengangs Kapital besorgen können.

Für Kryptowährungen, die bei einem ICO quasi aus dem Nichts geschaffen werden, steht keine Regierung oder Zentralbank ein. Geschaffen wird das Geld von Nutzern, deren Computer dafür komplexe Algorithmen berechnen. Da Beträge schnell und anonym transferiert werden können, ist das Geld auch für Spekulanten interessant, die illegale Geschäften betreiben oder Kontrollen umgehen wollen. (Reuters/APA, 9.11.2017)