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Gesundheitsimmobilien: Lebensverlängernde Maßnahmen

12. November 2017, 15:00

Krankenhäuser werden immer öfter zusammengelegt, dadurch stehen Immobilien leer, für die es eine Nachnutzung braucht

Abbröckelnder Putz, dreckige Fassade, eingeschlagene Fenster – seit mehr als zwölf Jahren steht im 18. Bezirk ein großer Gebäudekomplex leer und verfällt. Früher war hier das Haus der Barmherzigkeit untergebracht, doch schon im Jahr 2006 sind die letzten Bewohner des Pflegeheims ausgezogen, weil das sanierungsbedürftige Haus, gebaut im Jahr 1957, in einem so schlechten Zustand war.

Nun gibt es neue Pläne für den Standort, die Caritas hat das Areal gekauft und will dort bis 2021 gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien erneut ein Pflegewohnhaus, Büros, Mietwohnungen und betreutes Wohnen errichten – das alte Gebäude wird 2018 abgerissen. Eine Zwischennutzung sei aufgrund der Baufälligkeit nicht möglich, heißt es von der Caritas.

Anders ist das beim Sophienspital in Wien-Neubau. Anfang Oktober sind hier die letzten Abteilungen ausgezogen. Für ein bis zwei Jahre will der Fonds Soziales Wien den Bau nun zwischennutzen, als Wärmestube und Notquartier für Obdachlose. Was danach mit dem Gebäude passieren soll, steht noch nicht fest.

Ende steht bevor

Neben dem Sophienspital steht in Wien auch weiteren Krankenhausimmobilien das Ende bevor. Denn mit der geplanten Fertigstellung des Krankenhauses Nord Ende 2017 übersiedeln die Semmelweis-Frauenklinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof und das Krankenhaus Floridsdorf komplett in den Spitalsneubau.

Was mit den leerstehenden Häusern passieren soll, steht noch nicht fest, heißt es vom Wiener Krankenanstaltenverbund. Man wolle die frei werdenden Flächen aber sinnvoll bespielen. "Mögliche Nutzungen könnten in Richtung Wohnbau und Bildung gehen", so der KAV auf STANDARD-Anfrage.

Ganz generell sei die Nachnutzung nicht mehr benötigter Gesundheitsimmobilien oft eine Herausforderung, heißt es weiter. So bringe etwa das Orthopädische Krankenhaus Gersthof strenge Auflagen in puncto Denkmalschutz mit sich – Um- und Zubauten würden dadurch erschwert. Zudem sei die Bausubstanz prinzipiell oft sehr alt. "Deren Instandhaltung oder Wiederherstellung übersteigt meist die Kosten von Neubauten", so der KAV. Das trifft übrigens auch auf das ehemalige Haus der Barmherzigkeit im 18. Bezirk zu.

Steigender Bedarf

Generell, das weiß Thomas Jedinger vom Architekturbüro Maurer & Partner, das schon zahlreiche Spitäler (um-)gebaut hat, eignen sich stillgelegte Spitäler besonders für eine Nutzung als Pflegeheim oder Geriatriezentrum. "Was solche Einrichtungen betrifft, steigt ja auch der Bedarf in der Bevölkerung", sagt er. Ob aus einer Gesundheitsimmobilien auch Büro- oder Wohnbauten entstehen könnten, hänge ganz von den jeweiligen Gegebenheiten ab, "das kann man nicht pauschal sagen".

Er weiß auch, dass Spitäler zunehmend bemüht sind, Intensivmedizin in Zentren zu konzentrieren. Das bestätigt auch der KAV: "Eine Tendenz, auch international, geht in die Richtung, dass nicht mehr jedes Krankenhaus alle Leistungen, die Grundversorgung ausgenommen, anbietet, sondern dass man sich in Zentren auf Fächer spezialisiert, etwa onkologische, Augen- oder Herz-Gefäß-Zentren." So werde es möglich, in den einzelnen Fächern hohe Expertise aufzubauen.

Dass Gesundheitsimmobilien mangels Nachnutzungsoptionen häufig leerstehen, kann Architekt Jedinger nicht bestätigen. Meist würden Gesundheitsimmobilien rasch nachgenutzt, vor allem in Wien, wo der Bedarf an freien Flächen groß ist.

Aus allen Nähten platzen

Dass es Krankenhäusern in innerstädtischen Lagen oft zu eng wird, zeigt der Fall der Barmherzigen Brüder im zweiten Bezirk. Man platze aus allen Nähten, klagte der Spitalsleiter vor wenigen Monaten im ORF-Radio. Schon 2009 hat man ein neben dem Spital liegendes gründerzeitliches Wohnhaus gekauft, um das Krankenhaus dorthin erweitern zu können. Derzeit verhindert ein Ensembleschutz den Abriss. Das heißt, dass das Gebäude selbst und die benachbarten Bauten aufgrund ihres Zusammenspiels als erhaltungswürdig erachtet werden. Der Abriss und ein Neubau wären freilich billiger, vor allem weil die Auflagen an ein Spitalsgebäude in einem so alten Gebäude schwer zu erfüllen sind.

Stehen in der Zukunft Krankenhäuser also vor allem in weniger zentralen Lagen, wie etwa auch das Krankenhaus Nord? Für ein Spital sei vor allem eine gute Verkehrsanbindung wichtig, sagt Jedinger. Aber natürlich auch ausreichend Platz, heißt es vom KAV. Dass für das Krankenhaus Nord – übrigens der einzige komplette Neubau eines Spitals in Wien – der Standort Floridsdorf gewählt wurde, habe nicht nur, aber natürlich auch mit Raumfragen zu tun gehabt. (Bernadette Redl, 12.11.2017)