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Türkei-Kritiker verliert Facebook-Freunde: Netzwerk will Fall prüfen

10. November 2017, 16:37

Fall scheint kein Einzelfall zu sein

Nachdem ein Türkei-Kritiker auf rätselhafte Weise Follower auf Facebook verloren haben soll, weist das Soziale Netzwerk den Vorwurf der Zensur zurück. "Facebook ist eine neutrale Plattform. Es kann unterschiedliche Gründe haben, warum ein Profil oder eine Seite Abonnenten verliert", erklärte ein Sprecher und betonte, dass das Unternehmen solche Fälle gründlich prüfe.

Nach Recherchen des Blogs Netzpolitik.org wurde der Münchner Kommunikationswissenschafter Kerem Schamberger, der sich auf seiner Facebookseite immer wieder kritisch über die türkische Regierung geäußert hatte, seit September von etwa 5.000 seiner einst über 20.000 Freunde und Abonnenten getrennt. "Mittlerweile habe ich 25 Prozent meiner ganzen Follower verloren", sagte der 31-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

"Verschiedene Gründe" laut Facebook möglich

Facebook wollte sich auf dpa-Anfrage nicht im Detail äußern. In dem Artikel von netzpolitik.org sagte ein Sprecher, es könne verschiedene Gründe geben, warum ein Profil Follower verliere, beispielsweise wenn Facebook doppelte oder falsche Profile deaktiviere oder lösche. Wie die Recherchen des Blogs ergaben, waren aber echte Profile betroffen. Und auch Schamberger berichtete, dass sich Facebooknutzer bei ihm gemeldet hätten und berichteten, sie seien unfreiwillig von ihm entfreundet worden.

Zudem scheint Schamberger kein Einzelfall zu sein. Unter anderem berichteten die türkisch-kritische Nachrichtenseite "RojawaNews.net" oder die nordrhein-westfälische Linken-Politikerin Özlem Alev Demirel, dass sie einen Schwund bei ihren Followern und Likes festgestellt hätten. (APA, 10.11.2017)