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Übergriffe auf 14-Jährige: Schwere Vorwürfe gegen Senatskandidat

10. November 2017, 17:36

Bisher rechnete sich der erzkonservative Republikaner Roy Moore beste Chancen aus, in den US-Senat einzuziehen. Nun werden jenem Mann, der sich stets als Hüter christlicher Werte profiliert hat, sexuelle Übergriffe auf eine 14-Jährige vorgeworfen.

Predigt Roy Moore sonntags in einer Kirche, warnt er bisweilen düster vor dem Weg in die Sünde. Im Terrorinferno des 11. September 2001 sieht er die Strafe für ein Land, das sich von Gott abgewandt habe. Letzteres hat er erst im Februar in drastischen Worten wiederholt: dass die New Yorker Zwillingstürme einstürzten und ein entführtes Flugzeug ins Pentagon krachte, sagte der Eiferer aus Alabama, habe auch damit zu tun, dass Amerika homosexuelle Partnerschaften legalisiere.

Neulich erinnerte er in einem Zeitungsinterview an den Spruch Ronald Reagans, wonach die Sowjetunion das Reich des Bösen sei. "Heute könnte man das über Amerika sagen, nicht wahr?" In Amerika fördere man "viele schlechte Sachen" – allem voran die Schwulenehe. Noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als würde der erzkonservative Jurist seine Karriere mit einem Sitz im Senat krönen. Eine Karriere, in deren Verlauf es oft turbulent zuging.

Zehn Gebote in Justizgebäuden

Als er eine der Richterwahlen verlor, wie sie in den USA üblich sind, wurde er Profi-Kickboxer. Später, inzwischen war er Alabamas oberster Richter, weigerte er sich, einer Entscheidung des Supreme Court nachzukommen und die Zehn Gebote der Bibel aus den Justizgebäuden zu entfernen. Moore verlor seinen Posten, und als er auf ihn zurückkehrte, verlor er ihn ein zweites Mal.

Diesmal hatte er für seinen Bundesstaat angeordnet, ein Urteil der höchsten Instanz zu ignorieren und homosexuelle Eheschließungen weiterhin als Verstoß gegen das Gesetz zu behandeln. Der Sprung in den Senat, damit wollte es der Hardliner allen zeigen, die sich ihm in den Weg gestellt hatten.

Eines der beiden Mandate, die Alabama in der Kammer zustehen, wird neu vergeben, weil Jeff Sessions als Justizminister ins Kabinett Donald Trumps aufrückte. Im September hatte Moore, zwar nicht von Trump unterstützt, wohl aber von dessen geschasstem Chefstrategen Steve Bannon, überraschend klar die republikanischen Primaries gewonnen. Das Wahlfinale im Dezember gegen den Demokraten Doug Jones schien reine Formsache, denn im konservativen Südstaatenmilieu sind Demokraten heutzutage praktisch chancenlos.

Schwere Missbrauchsvorwürfe

Nun aber kommt eine Skandalgeschichte dazwischen, die den strengen Moralapostel in einer Reihe mit Bill Cosby und Kevin Spacey stehen lässt: 1979 soll er, damals 32, ein angehender Staatsanwalt, ein 14-jähriges Mädchen sexuell belästigt haben. In seinem Haus soll er ihr Alkoholisches serviert haben und dann zudringlich geworden sein.

Begonnen hat es damit, dass sich Moore zu dem Mädchen, Leigh Corfman, und dessen Mutter Nancy auf eine Bank vor einem Gerichtssaal setzte und der Mutter anbot, sich um ihre Tochter zu kümmern. Drinnen sollte über Nancys Scheidung verhandelt werden, der Jurist gab den Verständnisvollen: Nancy würde sicher nicht wollen, dass Leigh alles mit anhören müsse.

Vorwurf: 14-Jährige missbraucht

Als er mit der Vierzehnjährigen allein war, bat er sie um ihre Telefonnummer. Bei nächster Gelegenheit holte er sie ab, bei der übernächsten zog er sich vor ihr aus und nahm ihre Hand, auf dass diese seinen Penis berühre. So haben es sowohl Leigh Corfman als auch ihre Mutter der Washington Post erzählt. Während Moore von "Müll" spricht, "der Definition von Fake-News", fordern ihn prominente Parteifreunde im US-Kongress auf, die politische Bühne zu verlassen, sollte etwas dran sein an den Vorwürfen.

In Alabama dagegen gibt es etliche, die ihm die Treue halten, wobei sich einer seiner loyalsten Verbündeten auf die Bibel beruft. "Man nehme Maria und Josef", sagt Jim Ziegler, der Rechnungsprüfer des Bundesstaats. "Maria war Teenager und Josef ein volljähriger Zimmermann, sie wurden die Eltern von Jesus." Moore habe weder etwas Unmoralisches noch etwas Verbotenes getan – "vielleicht war es nur etwas ungewöhnlich". (Frank Herrmann aus Washington, 10.11.2017)