Foto: Getty Images/iStockphoto/kozyrskyi

Pro & Kontra: Allein essen gehen

Kolumne |
24. November 2017, 08:01

Allein in einem gemütlichen Eck zu sich kommen oder Essen gehen nur in Begleitung

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Pro
von Gianluca Wallisch

Schau dir diesen Typen an, der da ganz allein beim Vietnamesen sitzt! Ein Wunderling. Oder sein Date hat ihn versetzt ... – Tschuldigung, haben Sie gerade mich gemeint?

Keine Sorge, ich bin absichtlich allein hier: Natürlich weiß auch ich ein schönes Dinner zu zweit zu würdigen. Aber ich mag es ab und zu auch, allein essen zu gehen. Vor allem während einer stressigen Arbeitswoche.

Denn ich habe schon viel zu viele Tastaturen mit Salzstangerln eingebröselt, zu viele Mäuse mit Chiliöl-Fingern eingefettet und schon zu viele Servietten dafür verwendet, um das Cola aufzuwischen und die Bürotischplatte wieder erstrahlen zu lassen. In edlem Beigegrau.

Nein, da setze ich mich lieber kurz in ein gemütliches Eck, komme zu mir, beobachte andere Leute, denke mir ihre Geschichten aus (ja, ich weiß, eine alte Angewohnheit). Oder ich gaffe ins Handy, ohne dass mich mein Gegenüber indigniert anschaut. Das hat doch was, odER? HOPPALA; DIE FESTSTELLTASTE KLEMMT. es musS WOHL EIN BRÖSERL IN DIe tastatur geraten sein ...

Kontra
von Karin Bauer

Es ist traurig. Noch trauriger als Zahlen-Schlucken-Abhauen in der Fastfoodbude, noch viel trauriger als beim Gehen auf der Straße essen. Was für eine verbissen verhetzte vereinzelte Bedürfnisbefriedigung.

Essen gehen ist etwas Besonderes. Bei Wohlgeruch und Wohlgeschmack kommt man einander auf spezielle Weise näher – oder ferner, lernt einander jedenfalls nur so auf eine Art kennen, die anständig – und erlaubt erotisch ist. Ach, das Wie und Was des Essens sprechen ja Bände. Und der Tanz beginnt schon vorher: Verabreden. Dann: Was wählen wir? Erwartungen an die Speisen austauschen bevor serviert wird. Beim Gegenüber Gusto, Ungeduld, Vorfreude sehen. Und dann: Es ist so weit. Was für ein Ritual.

Essen gehen – das lässt sich nur gemeinsam tun. Tango allein ist ja auch nicht, was es sein soll. Bevor ich allein essen gehe, bleib ich im Büro. Arbeite weiter und brösle halt in meine Tastatur, lass langsam die Döner-Soße auf die alten Unterlagen tropfen, regrediere 40 Jahre und hole meine Karottenstücke aus der Jausenbox. (RONDO, 24.11.2017)