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TV-Manager: Netflix keine Gefahr, weil eigene Zuseher "dick und arm" sind

15. November 2017, 16:45

Aussage von Pro7Sat1-Vorstand auf Telefonkonferenz – "Das Zielpublikum ändert sich nicht"

Videostreaming boomt weiter. Im dritten Quartal diesen Jahres meldete Branchenprimus Netflix einen Kundenstand von über 109 Millionen weltweit, davon mehr als 56 Millionen außerhalb der USA. Auch Konkurrenten wie Amazon Prime Video wachsen munter weiter. Mittlerweile rüsten klassische TV-Anbieter mit eigenen Angeboten auf, um dagegen zu halten.

Wenig Angst vor Netflix

Bei ProsSiebenSat1, unter anderem Heimat der beiden namensgebenden, deutschen Privatsendern, sieht man den Internetkonkurrenten offenbar gelassen. Der Grund: Trotz enttäuschender Quartalszahlen und der Schwäche der eigenen Maxdome-Plattform hat man keine Angst, die eigenen Zuseher je zu verlieren, berichtet DWDL.

Das lässt sich jedenfalls aus dem Protokoll einer Telefonkonferenz schließen, das ein Gespräch des Vorstandschefs Thomas Ebeling mit Aktionären des Unternehmens dokumentiert. Diese sind aufgrund aktueller Entwicklungen beunruhigt.

"Sie sind leicht fettleibig und etwas arm"

Mehrfach erkundigte sich etwa ein Vertreter der Bank BNP Paribas ob der Bedrängung durch Netflix und Konsorten. Dem entgegnete der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling: "Alle Hollywood-Blockbuster sind bei unserem Sender und nicht jede Netflix-Serie ist ein Homerun. Oft sind ihre Inhalte sehr ‚Arthouse‘-mäßig."

Und zu den Sehern: "Das sind Menschen, die leicht fettleibig und etwas arm sind, gerne auf der Couch sitzen und es wirklich mögen, sich unterhalten zu lassen. Das ist das Schlüsselpublikum, das sich nicht änder." Man solle Deutschland nicht mit dem US-Markt verwechseln, wo Konsumenten für "miese Inhalte" zahlen müssten. Man selbst biete guten Content kostenlos an.

Unternehmen verweist auf provokante Frage

Das Hollywood-Material bringt aber nur bedingt gute Quoten. Während Sitcoms und Filme nachgefragt sind, hält sich das Interesse an anderen Serien in überschaubaren Grenzen. Zuletzt musste man 170 Millionen Euro abschreiben. Der Konzern steht vor einer größeren Umstrukturierung, deren Ankündigung für Anfang Dezember erwartet wird.

Die Aussagen werden vom Unternehmen nicht bestritten, Pro7Sat1 verwies allerdings auf eine "provokante" Fragestellung. Auf Twitter lösten die Zitate einen Sturm der Entrüstung aus: "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert", schrieb ein Nutzer.

Daraufhin sah sich der ProSieben-Chef zu einer Stellungnahme genötigt. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen und daher falsch verstanden worden, erklärte Ebeling. Seine Äußerung sei eine "plakative Zuspitzung zur Illustration unterschiedlicher Mediennutzungsweisen" gewesen. "Mitnichten wollte ich unsere TV-Zuschauer diskreditieren." (red, APA, 15.11.2017)