Foto: Lisi Specht

Langsam kribbelt die nächste Übersiedlung

20. November 2017, 06:00

Die Porzellankünstlerin Sandra Haischberger wohnt in einer Wohnung im sechsten Bezirk

Die Wiener Porzellankünstlerin Sandra Haischberger wohnt im sechsten Bezirk. Ihre Wohnung ist voller Anekdoten und Krimskramsgegenstände. Und dennoch träumt sie bereits von den nächsten Umzugskartons.

"Meine Wohnung ist in mehrere Stimmungsabschnitte unterteilt. Das Wohnzimmer ist hell und weiß und für mich ein Ort der Luftigkeit und Leichtigkeit. Das Schlafzimmer ist in Grün- und Grautönen gehalten und dient eher der Ruhe und Entspannung. Und die Küche ist ganz dunkel in Grau, Schwarz und Messingtönen und verkörpert so etwas wie Rückzug und Gemütlichkeit. Ich kann's nicht besser beschreiben, aber jeder Raum deckt auf diese Weise eine ganze bestimmte Stimmung und Facette meiner Person ab.

"Die Couch stand früher in der österreichischen Botschaft im Oman. Nun steht sie um 500 Euro in meinem Wohnzimmer. Ein Wahnsinn, oder?" Sandra Haischberger in ihrem Glück.
foto: lisi specht

Es schaut vielleicht nicht so aus, weil ich eine ziemliche Krimskramssammlerin bin, aber ich wohne hier erst seit knapp zwei Jahren. Die Wohnung hat 104 Quadratmeter und liegt im zweiten Stock eines sehr schönen Gründerzeithauses im sechsten Bezirk in der Nähe der Mariahilfer Straße. Im Erdgeschoß gibt es noch eine alte, winzig kleine Portiersloge, die mich gedanklich immer in die Vergangenheit katapultiert. Gefunden habe ich die Wohnung übers Internet. Ich kann mich nicht mehr erinnern wo, aber sagma mal, es war im Immobilien- Standard. Das kann gut sein!

Mein erster Eindruck war: wunderschön, aber leider ein bisschen gar brav renoviert. Ich hab's lieber, wenn die Wände ein bisschen abgefuckt, die Türen ein bisschen abgeschabt und die Parkettböden ein bisschen abgewohnt sind. Aber hier war alles perfekt. Mit Ausnahme der Küche, wo zum Glück noch die alten Zementkacheln erhalten waren. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Wohnung mit viel Krimskrams vollzuräumen, damit zumindest auf diese Weise Leben und Geschichte entsteht.

fotos: lisi specht

Ich wohne hier mit meiner 14-jährigen Tochter Lilli, die jede zweite Woche bei mir ist, und in der Zwischenzeit haben wir uns schon voll eingelebt. Ich finde diese Wohnung einfach großartig. Auch deshalb, weil sie genug Platz für mein Krimskramsfaible bietet. Zum einen nehme ich oft Prototypen aus der Werkstatt mit nach Hause, um sie zu testen oder einfach, weil ich mich von ihnen nicht trennen kann. Zum anderen sammle ich diverses Kleinzeug auf Flohmärkten oder bei der Caritas: Figuren, Schalen, Vasen, Deckeldosen, Zahnstocherapparaturen und so weiter.

Ab und zu krieg ich einen Anfall, und dann verbringe ich Tage auf willhaben.at und kaufe tonnenweise Zeug ein, das ich dann in der Wohnung verteile, bis ich den nächsten Anfall krieg. Fast jedes Möbelstück hat seine Geschichte, wobei die Sechziger- und Siebzigerjahrestücke überwiegen. Eine alte Kredenz habe ich einmal, als es mir grad nicht gut gegangen ist, von einer lieben Freundin geschenkt bekommen – ein Megapräsent, über das ich mich jeden Tag aufs Neue freue.

fotos: lisi specht

Eines meiner Lieblingsmöbel ist diese weiße Sitzgarnitur Togo von Ligne Roset aus den Siebzigern. Man sitzt extrem niedrig, aber wenn man sitzt, dann sitzt man. Neu könnte ich mir diese Garnitur niemals leisten, weil sie sündhaft teuer ist, doch diese habe ich gebraucht im Internet gefunden, weil sich ein Austauschstudent kurzfristig davon trennen musste. Früher stand sie in der österreichischen Botschaft im Oman, weil dessen Eltern Botschafter sind. Und nun steht das Ding um 500 Euro in meinem Wohnzimmer. Ein Wahnsinn, oder?

Ich fühle mich hier ziemlich angekommen, aber zwei Jahre an einem Ort sind für mich schon fast eine lange Zeit. Ich liebe Umzüge, weil jeder Umzug ein Neubeginn und ein Abenteuer ist, und schön langsam kribbelt die nächste Übersiedelung unter den Fingernägeln. Es warat wieder mal an der Zeit. Ich brauch wieder die Umzugskartons um mich herum!" (20.11.2017)

Sandra Haischberger, geb. 1969 in Amstetten, beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit Keramik und Porzellan. Sie war als Hauptschullehrerin tätig, ehe sie beschloss, sich der Töpferei zu widmen und an der Universität für angewandte Kunst Produkt- und Keramikdesign zu studieren. Ihr Diplomprojekt, ein Waschbecken für den Sanitärhersteller Laufen, ist heute bei Meinl am Graben im Einsatz. 2005 eröffnete sie ihre Porzellanmanufaktur Feinedinge. Am 22. November gibt es in ihrem Geschäft in der Margaretenstraße 35, 1050 Wien, von 16 bis 22 Uhr ein Lichterfest.

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