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"Star Wars: Battlefront 2" im Test: Wenn Geldgier den Spielspaß verdirbt

Rezension |
19. November 2017, 11:00

Trotz solider Ansätze hat sich EA wirklich bemüht, das Vertrauen seiner Fans zu verlieren

Es hätte so viel zu gewinnen gegeben: für die Fans, die als ihre Leinwandhelden mit Lichtschwert und X-Wing in den Krieg ziehen können, und für die Hersteller, die Hollywoods größte Cashcow nun auch von Spielefans melken lassen dürfen. Doch EAs Neuauflage der Battlefront-Serie hat nach einem inhaltlich dürftigen Debüt 2015 mit dem nun erschienenen Nachfolger "Star Wars: Battlefront 2" einen unrühmlichen Tiefpunkt erreicht.

Dabei wäre das inhaltliche Fundament durchaus befriedigend gewesen: "Star Wars: Battlefront 2" bietet eine Story-Kampagne für Solisten, einen Arcade-Modus auch für kooperative Kämpfe und natürlich den großen Online-Multiplayer. Doch im Detail betrachtet erweist sich gerade die Umsetzung als ebenso halbherzig wie profitgetrieben.

Iden wer?

Spieler schlüpfen – in der Zeit zwischen Film 6 und 7 – in die Rolle der Soldatin Iden Versio, um für das Imperium die Rebellen zu bekriegen. Eine spannende neue Heldin, deren Weltbild allerdings so schnell zerbröselt wie die Romantik in George Lucas' grottig geschriebenen Liebesszenen. Wendungen werden mit der Absehbarkeit von Darth Vaders Atemnot serviert, und so verkommt die Geschichte zu einem Tutorial für die vielen Charaktere, die man im Multiplayer-Modus spielen kann. Ein bisschen Lichtschwert schwingen mit Luke Skywalker, ein bisschen tough sein und Kameraden schützen mit Prinzessin Leia. Nur nicht zu tief schürfen, bitte!

Schwerer wiegt aber, dass die eigentlichen Gefechte uninspiriert arrangiert wurden. In den meisten Fällen findet man sich wie im öden Arcade-Modus auf traumhaft eingefangenen Originalschauplätzen wieder, die von Horden unintelligenter Computergegner gestürmt werden, welche als Kanonenfutter dienen. Im mittleren Schwierigkeitsgrad zumindest, kann man weitgehend problemlos Truppen flankieren und starr nach vorne gerichtete Widersacher wortwörtlich umnieten. Die zu selten eingestreuten Highlights bilden ruhigere Passagen, in denen man gezielt Kommandeure jagt, als Iden Versio mit Drohnen-Hilfe aus einem Gefängnis ausbricht oder als Han Solo die beschwingte Stimmung einer Taverne aufsaugt – wenngleich auch letzterer spielerisch nur hinterm Steuer des Millenmium Falcon überzeugen kann.

Die große Schlacht

Denn besser als die Bodenkämpfe transferieren den "Krieg der Sterne" die diesmal deutlich ausgebauten Raumschiffschlachten im All und über malerischen Landschaften. Im Minutentakt gilt es, neue taktische Ziele ins Visier zu nehmen, während man sich durch Space-Stations und Schiffwracks wirbelnd Dogfights mit X-Wings oder Tie-Fightern liefert. Letztendlich verdampft die kurze Kampagne jedoch leider viel zu hastig erzählt in einem Warm-up für die Online-Matches gegen andere Spieler. Gleiches kann leider auch nur über den Arcade-Modus gesagt werden, der den einfallslosen Sturmlauf der Feinde in Copy-Paste-Szenarien immer und immer wieder bemüht. Im Unterschied zur Kampagne hat man aber hier wenigstens die Möglichkeit, zu zweit voranzuschreiten, um vertraut mit den Charakteren und den individuellen Fähigkeiten zu werden.

Solisten kommen also leider nur bedingt auf ihre Kosten: Alles wurde auf den mit vielen neuen Karten stark ausgebauten Multiplayer zugeschnitten. Die Höhepunkte hier sind die Hauptbewerbe "Galactic Assault" und "Starfighter Assault", in denen man mit dutzenden Kameraden in den erstklassig nachgebildeten Uniformen und Vehikeln in Schlachten aus allen Epochen der Saga zieht. Gegenüber dem Vorgänger verbessert wurde die Verteilung der Aufgaben. Es gibt nun Spielerklassen und mächtige Helden oder Gefährte und Raumschiffe müssen nun nicht mehr über Tokens am Spielfeld "eingesammelt" werden, sondern lassen sich durch Punkte, die man während eines Matches erzielt, aktivieren.

Die vielen unterschiedlichen Klassen und Kriegsgeräte wirken unterdessen noch nicht ganz ausbalanciert. Das halbautomatische Scharfschützengewehr des Spezialisten etwa lässt sich trotz der enormen Reichweite und Präzision fast so flott wie ein automatisches Gewehr nutzen. Helden, die wie Darth Maul mit Lichtschwert angreifen, haben wiederum spielen sich trotz übermenschlicher Kräfte – zumindest meinem Gefühl nach – gar nicht so witzig, wie vielleicht zunächst angenommen. Denn während rund um einen herum alle aus der Entfernung auf einen ballern, muss man als Nahkämpfer zu seinen Gegnern hinlaufen. Bring niemals ein Messer zu einem Pistolenkampf. Trotz dieser Ungereimtheiten: Ist man gewillt, trotz zugänglicher Steuerung das Anfangschaos zu durchblicken, kommt durchaus echte "Star-Wars"-Euphorie auf.

Willkommen im Kasino

Verdorben werden die epischen Laserfeuerwerke vor ikonischen Szenarien allerdings durch ein untrennbar mit dem Spiel verwobenes Monetarisierungssystem, dass EA aufgrund massiver Beschwerden seitens der Community zum Start deaktivierte und erst zu einem späteren Zeitpunkt – womöglich abgeändert – wieder einführen möchte. Doch auch ohne die Möglichkeit, verbessernde Charaktereigenschaften und Waffen mit Echtgeld erwerben zu können, ist "Battlefront 2" gezeichnet von einem überkomplexen und erzwungen aufgesetzt wirkenden System, das ganz offensichtlich nur dafür erfunden wurde, um Kunden noch mehr Geld aus den Taschen zu ziehen.

Verbesserungen für bestehende Eigenschaften und Waffen, aber auch neue Gagdets werden man mit langwierig erarbeitetem Spielgeld (oder zuvor rascher mit Echtgeld) über sogenannte Lootboxen erworben. Wie in einem Glücksspiel weiß man nicht genau, was einem eine Lootbox bescheren wird. Aber wer mehr zahlt, hat Aussicht auf bessere Preise. Damit nicht genug: Mit einer weiteren Währung, so genannten Crafting Parts, können wiederum gezielt Star Cards gebaut werden und auch Helden muss man erst mittels Spielgeld (Credits) freischalten, um sie später über Battle Points in Multiplayer-Matches aktivieren zu können.

Das alles sind Konzepte, die inspiriert von kostenlosen Handyspielen tatsächlich von immer mehr Herstellern wie Blizzard, Ubisoft oder Warner Bros auch in Vollpreis-Games eingesetzt wird, um die oft über Jahre spielenden Fans langfristig zu motivieren und schröpfen zu können. Bislang waren derartige Mikrotransaktionen fast ausschließlich auf optische Verschönerungen beschränkt. Mit der Möglichkeit, auch spielverbessernde Gegenstände mit Echtgeld erwerben zu können, hätte EA es jedoch auf die Spitze getrieben und damit die nicht nur in "Battlefront 2" so wichtige Fairness bei Mehrspielerpartien gestört. Hinzu kommt, dass die Profitmaximierung über süchtigmachende Glücksspielmechaniken einfach einen schalen Beigeschmack bei Kunden hinterlässt, die sowieso bereits 60 Euro fürs Spiel abgelegt haben. Bleibt zu hoffen, dass EA und Mitbewerber die negativen Signale der Community wirklich ernst nehmen und künftig auf weniger aggressive Modelle setzen. Doch selbst wenn sich Lootboxen auf kosmetische Inhalte beschränken, bleiben sie ein zumindest sehr fragwürdiges Modell, das aktuell nicht umsonst im Fokus europäischer Ermittlungsbehörden steht.

Video: Zsolt spricht mit Eugen Knippel, ehemaliger Marketing-Manager bei Ubisoft, über Lootboxen und Free2Play-Mechaniken.
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Fazit

Selten stand die wirtschaftliche Gier eines Konzerns den Inhalten eines Blockbuster-Games so im Wege wie in "Star Wars: Battlefront 2". Trotz der vielen spielerischen Schwächen wäre diese bildschöne Umsetzung nicht nur für eingefleischte Sternenkrieger, sondern vor allem auch für Gelegenheitsspieler ein gutes Weihnachtsgeschenk gewesen. So überlegt man bei aller Jedi-Liebe aber lieber zweimal, ob man diese Art der Überkommerzialisierung unterstützen möchte. Dass EA vor den Fans schwach wurde und das mehr als fragwürdige Monetarisierungssystem zumindest vorerst auf Eis gelegt hat, ist ein erstes positives Zeichen dafür, dass die Stimme der Konsumenten und vor allem Stornierungen von Vorbestellungen noch etwas bewirken können. Ob "Battlefront 2" sich irgendwann doch noch eine Empfehlung verdienen kann, wird nun davon abhängen, wie fleißig die Entwickler in den kommenden Monaten nachfeilen werden und wie akzeptabel das mit ziemlicher Sicherheit folgende, neue Bezahlsystem sein wird. (Zsolt Wilhelm, 19.11.2017)

"Star Wars: Battlefront 2" ist ab 16 Jahren für PC, PS4 und Xbox One erschienen. UVP: 59,99 Euro.