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Höchster Wohnturm Österreichs: Bau verzögert sich um Jahre

19. November 2017, 10:00

Die Danube Flats an der Neuen Donau in Wien mit fast 160 Meter Höhe sind seit Jahren Thema. Die Baugenehmigung fehlt aber weiterhin

Wien – Fast 160 Meter hoch, rund 550 freifinanzierte Wohnungen auf 47 Geschoßen, zudem 70 vollausgestattete Luxuswohnungen mit Ausblick für betuchtes Klientel (Serviced Apartments) und in den unteren Stockwerken 40 Sozialwohnungen. Das Bauvorhaben Danube Flats, im Uferbereich der Neuen Donau und an der Reichsbrücke gelegen, ist ein Projekt der Superlative in einer der Toplagen der wachsenden Stadt. Wird der Wolkenkratzer samt einem angrenzenden achtstöckigen Flachbau gebaut, wäre es das höchste Wohnhochhaus Wiens und Österreichs.

Das private Bauprojekt wird von der rot-grünen Stadtregierung gutgeheißen. Einer der Unterstützer ist der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr, der in der Jury des Bauwettbewerbes saß. Dieser wurde im September 2012 abgeschlossen. Die Architektenkammer kritisierte, dass sie vom Wettbewerb aus den Medien erfahren habe. Von einer Fertigstellung wurde damals bis zum Jahr 2016 ausgegangen.

Noch keine Abbrucharbeiten

Dabei wurde bis dato noch nicht einmal mit den Abbrucharbeiten des seit Jahren leerstehenden Gebäudes an der Reichsbrücke begonnen, in dem einst ein Cineplexx-Kino untergebracht war. Auch die Baugenehmigung für den Wohnturm liegt nicht vor. In einer Stellungnahme der Soravia Group, einer der Projektverantwortlichen, an den STANDARD heißt es: "Das Projekt wurde im Juli 2016 eingereicht. Wir warten noch auf den Bescheid seitens der Baubehörde." Laut Soravia Group soll dieser "bis Ende des Jahres vorliegen. Es ist momentan nicht abzuschätzen, wann die Baugenehmigung rechtskräftig wird."

Fertigstellung bis 2021 geplant

Geplant sei, mit den Abbrucharbeiten des noch auf dem Baugrund befindlichen Gebäudes im ersten Quartal 2018 zu starten. Diese sollen im dritten Quartal abgeschlossen werden. Die Finalisierung des Bauprojekts verzögert sich mittlerweile um Jahre. Nach der Einreichung im Vorjahr gingen die Projektverantwortlichen noch von einer Fertigstellung bis 2019 aus. Zum STANDARD hieß es in dieser Woche von Soravia: "Generell ist mit einer Bauzeit von 2,5 Jahren nach Rechtskraft der Baugenehmigung zu rechnen. Eine realistische Zeitprognose ist momentan nicht möglich, wir rechnen aber mit einer Fertigstellung bis 2021."

Für das Projekt zeichnet die Danube Flats GmbH verantwortlich. Gesellschafter sind die S+B-Gruppe, ein privater internationaler Projektentwickler, sowie die DF Iota Holding GmbH: Hinter Letzterer steht über verzweigte Konstrukte eben die Soravia Group. Interessant ist, dass die Danube Flats GmbH die Baufläche an der Neuen Donau im August 2011 kaufte, als die Errichtung von Wohnungen (Flats) gemäß Widmung nicht zulässig war. Als Bebauungshöhe waren nur 26 Meter erlaubt.

"Außergewöhnliche" Aufwertung des Grundstücks

Die Gesellschaft fragte wenig später um eine Umwidmung an. Diese passierte im Juli 2015 den Gemeinderat. Auf Basis der alten Widmung wären rund 27.000 Quadratmeter Nutzfläche für gewerbliche Zwecke möglich gewesen. Die neue Widmung erlaubt eine Verbauung von rund 40.000 Quadratmeter Nutzfläche und die Möglichkeit, einen fast 160 Meter hohen Wohnturm umzusetzen. Die Architektenkammer bezeichnete die Aufwertung des Grundstücks ("Planwertgewinn") durch die Umwidmung als "außergewöhnlich".

Mit der Änderung ging auch ein städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Entwicklern einher, der Letztere zu Zahlungen in soziale Infrastruktur für Schule, Kindergarten oder Sozialwohnungen in Höhe von zehn Millionen Euro verpflichtete.

660 Wohnungen geplant

Das Projekt hat sich seit Abschluss des Architektenwettbewerbs 2012 verändert. Damals war von rund 500 Wohnungen auf bis zu 45 Etagen die Rede. Der Entwurf stammt vom Architektenteam Project A01 Architects unter der Leitung von Andreas Schmitzer und Maria Planegger-Soravia. Die Soravia Group nennt aktuell hingegen 47 Etagen auf fast 160 Meter Höhe und 660 Wohnungen (550 Wohnungen, 40 Smart Wohnungen, 70 Serviced Apartments).

Die Projektentwickler verweisen darauf, dass sich die Wohnungsanzahl bis zur Einreichung konkretisiert hat: Man habe den "Fokus auf kleine Einheiten", also Ein- und Zweizimmerwohnungen, gelegt.

2012 wurde ein Investitionsvolumen von 140 Millionen Euro genannt, Soravia spricht jetzt von 250 Millionen Euro. Dies sei auf die Dauer der Projektvorbereitung und steigende Kosten zurückzuführen.

Food Court bei DC Tower 1 wird gebaut

Tatsächliche Bautätigkeiten gibt es vis-à-vis den geplanten Danube Flats: Beim DC Tower eins, der ohne Antenne 220 Meter hoch ist, wird nach STANDARD-Informationen gerade ein Food-Court errichtet. Dem Vernehmen nach entsteht im einstöckigen, rundlichen Bau ein Restaurant mit 230 Sitzplätzen. Wer das Restaurant betreiben wird, ist noch nicht bekannt.

Die Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum (WED), die den DC Tower eins vor wenigen Monaten an die deutsche Bankengruppe Deka verkauft hat, bestätigt dem STANDARD, dass ein Food-Court errichtet wird. Mehr wolle man aber "noch nicht preisgeben". (David Krutzler, 19.11.2017)