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Pisa-Test: Wie gut Schüler gemeinsam Probleme lösen

21. November 2017, 08:58

2015 wurde erstmals das Problemlösen im Team getestet. Nun liegen die Ergebnisse vor

Soziale Kompetenzen spielen im Alltag und am Arbeitsplatz eine immer wichtigere Rolle. Mit dem Testfeld "Collaborative Problem Solving" wurde beim Pisa-Test 2015 erstmals geschaut, wie gut 15-jährige Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet sind, produktiv zusammenzuarbeiten, sagte Andreas Schleicher, Direktor für Bildung bei der OECD, bei der Präsentation der Ergebnisse.

Relativ gemessen schneiden österreichische Schüler beim gemeinsamen Problemlösen gut ab. "Absolut gesehen ist aber noch viel zu tun", sagt Schleicher. Ein Zusammenhang zwischen hohen sozialen Kompetenzen und guten Ergebnissen in Rechnen, Lesen und Naturwissenschaften (diese Bereiche wurden beim Pisa-Test 2015 schwerpunktmäßig getestet) sei durch den Test aber nicht erkennbar.

Soziale Kompetenzen

Als Beispiel nennt Schleicher China, das zwar in den naturwissenschaftlichen Bereichen überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat, bei den sozialen Kompetenzen aber auf den hinteren Plätzen gelandet ist. Österreichs Schüler schnitten beim Problemlösen im Team besser ab als in den naturwissenschaftlichen Bereichen.

Am besten schnitten dabei die Schüler im (ebenfalls teilnehmenden Nicht-OECD-Mitgliedsland) Singapur mit einem Mittelwert von 561 Punkten ab, gefolgt von Japan (552). In Europa sind Estland (535) und Finnland (534) an der Spitze. Österreich (509) liegt fast gleichauf mit Schweden (510) unter 35 teilnehmenden OECD/EU-Ländern auf der 14. Position und ist das letzte Land, dessen Mittelwert als statistisch signifikant über dem OECD-Schnitt von 500 eingeordnet wird. Wenig überraschend: Die Problemlöse-Kompetenzen der Schüler in den einzelnen Ländern entsprechen im Großen und Ganzen jenen in den "klassischen" PISA-Domänen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

In allen teilnehmenden Ländern haben Mädchen beim gemeinsamen Problemlösen bessere Ergebnisse erzielt als Burschen. "In keinem anderen Bereich sind die Geschlechterunterschiede so deutlich wie bei den sozialen Kompetenzen", sagt Schleicher.

Richtiges Lernumfeld wichtig

Das Lernumfeld sei für die Entwicklung sozialer Problemlösungskompetenz ein wichtiger Faktor. Denn wenn beispielsweise der Unterricht offener gestaltet werde, mehr Raum für Kommunikation und gemeinsame Experimente geschaffen werde, sei auch die Einstellung zum gemeinsamen Arbeiten deutlich besser. Als Beispiel nennt Schleicher hier hier Japan, das sowohl bei den Naturwissenschaften als auch bei den sozialen Kompetenzen überdurchschnittlich abgeschnitten hat. Der Unterricht finde dort überwiegend im Team statt.

Das Klima an der Schule sei ein weiterer Aspekt, der die sozialen Kompetenzen beeinflussen kann. "An Schulen, wo Mobbing ein großes Thema ist, sind auch die Ergebnisse beim gemeinsamen Problemlösen deutlich schlechter", ergänzt Schleicher. Dafür spiele der sozioökonomische Hintergrund eine geringere Rolle als bei anderen Schulleistungen.

Außerdem zeige die Erhebung, dass Schüler, die neue Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Unterricht intensiv nutzen, schlechtere Leistungen beim gemeinsamen Problemlösen erzielen. Eine niedrige bis mäßige IKT-Nutzung führte zu den besten Ergebnissen. Eine Kausalität möchte Schleicher darin aber nicht erkennen.

Computerbasierte Tests

Beim Pisa-Test 2015 wurden die Kompetenzen im Bereich Problemlösen im Team definiert als "die Fähigkeit einer Person, sich effektiv in einen Prozess einzubringen, bei dem zwei oder mehr Beteiligte versuchen, ein Problem zu lösen, indem sie gemeinsam das nötige Verständnis und die erforderlichen Schritte für eine Lösung entwickeln und sich mit vereinten Kenntnissen, Kompetenzen und Anstrengungen dafür einsetzen, diese Lösung zu erreichen".

Der Test war interaktiv angelegt: Die Schülerinnen und Schüler mussten mit virtuellen Partnern am Computer interagieren, um eine Lösung für ein bestimmtes Problem zu erarbeiten. Etwa 125.000 Schülerinnen und Schüler wurden stellvertretend für rund sechs Millionen 15-Jährige in den Schulen der 52 teilnehmenden Länder in Problemlösen im Team getestet. (ost, 21.11.2017)