Foto: APA/Schlager

FPÖ-Mandatar warnt auf Facebook mit Foto vor "Belästiger"

20. November 2017, 12:58

Der Abgebildete soll eine junge Frau verfolgt haben, setzte laut Polizei aber keine strafbaren Handlungen – Kritik an Onlinepranger

Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Christian Höbart ist für seinen Facebook-Auftritt schon mehrfach in die Kritik geraten. So hatte er Asylwerber als "Höhlenmenschen" bezeichnet und ein Video von Flüchtlingen, die mit einem Schlauchboot das Meer überqueren, mit dem Kommentar "Eine Seefahrt, die ist lustig" geteilt.

Jetzt sorgt Höbart mit einer Warnung vor einem Mann, der in Guntramsdorf unterwegs ist, für Aufsehen. Der FPÖ-Abgeordnete teilte den Beitrag einer Nutzerin, die den Mann fotografiert und ihm die Belästigung ihrer Tochter vorgeworfen hatte.

Die Verpixelung erfolgte durch den STANDARD.
foto: screenshot

Polizei: Abgebildeter setzte "keine strafbaren Handlungen"

Die Polizei gibt auf Anfrage des STANDARD an, dass der abgebildete Mann "keine strafbaren Handlungen" gesetzt habe. Die Tochter der Facebook-Nutzerin, die den Mann fotografiert hat, hatte sich wegen seiner Präsenz unwohl und verfolgt gefühlt. Es sei aber laut Polizei zu keinem Übergriff gekommen, juristisch gilt er als unschuldig. Das Foto des Mannes wurde über 13.000-mal auf Facebook geteilt, darunter eben auch von Höbart.

Höbart teilte auf STANDARD-Anfrage mit, dass er das Foto nach Rücksprache mit der Familie der jungen Frau geteilt habe. Seiner Meinung nach sei es kein undifferenziertes Fahnungsfoto. "Es war seitens der Mutter viel mehr eine Warnung an die Guntramsdorfer Bevölkerung durch die Schilderung des Vorfalls samt Anzeige bei der Polizei", argumentiert der FPÖ-Abgeordnete. Er sieht darin einen "Nachrichtenwert zum präventiven Selbstschutz im öffentlichen Raum".

Polizei rät von Fotoveröffentlichung ab

Die niederösterreichische Polizei schätzt solche Beiträge allerdings anders ein und sieht das Posting "äußerst skeptisch". Das "Recht am eigenen Bild" des Abgebildeten werde verletzt, das könnte Nutzer "teuer kommen". Derartige Onlinepranger könnten auch Ermittlungen schaden. "Von der Veröffentlichung eines Fotos oder Klarnamen raten wir ab", sagt die Polizei zum STANDARD. Klüger sei es, auf die Polizei zu vertrauen und etwa den Notruf zu wählen. Unter den geteilten Beiträgen sind auch zahlreiche Gewaltaufrufe zu finden. Auch bei Höbart postete ein Nutzer etwa eine Faust mit der Aufschrift "Boom!". (fsc, 20.11.2017)

Stellungnahme von Christian Höbart ergänzt.

Nachlese

Rassismusvorwurf: Posting auf Billa-Seite tagelang online