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Eine Frage des Gehalts: Über den ganzen Lohn der Arbeit

27. November 2017, 13:42

Eine Lohnverrechnerin verdient nach acht Jahren monatlich 2.100 Euro netto. Sie ist recht zufrieden, würde aber gerne mehr sparen. Serienstart mit Useraufruf

"Ich bin 27 und arbeite bereits seit mehr als acht Jahren als Lohnverrechnerin in einem Landeskrankenhaus, was mich zur Landesangestellten des Landes Vorarlberg macht. Dass ich irgendetwas mit Zahlen machen möchte, war für mich schon früh klar, weshalb ich die Handelsakademie besucht habe. Ich hatte noch nicht einmal meine mündliche Matura fertig, schon hatte ich die Jobzusage.

Nicht nur das Gehalt, sondern auch regelmäßige Arbeitszeiten und kaum Stress weiß die Lohnverrechnerin an ihrem Job zu schätzen.
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Ich arbeite Vollzeit – 40 Stunden pro Woche, jeweils von Montag bis Freitag. Ich schätze es sehr, dass ich weder an Wochenenden noch an Feiertagen arbeiten muss. Überstunden fallen ebenfalls kaum an – und wenn doch, dann werden die meist noch im selben Monat abgebaut. In meinem Job kann ich meine Interessen gut einsetzen. Ich mag, dass es zwar Aufgaben gibt, die sich in gewissen Abständen wiederholen, sich aber vieles aufgrund von neuen Gesetzen auch immer wieder ändert.

Einkommen

Netto verdiene ich monatlich 2.100 Euro. Ich muss gestehen, dass ich bisher kaum über das Thema Gehalt gesprochen habe – weder in der Familie noch mit Freunden. Ich kenne nicht einmal das Gehalt meiner besten Freundin, obwohl wir uns schon 20 Jahre kennen. Durch meinen Beruf habe ich Einblick in die Bezahlung einiger Berufe im Gesundheitsbereich. Auch im Gastgewerbe kann ich es etwas einschätzen, weil mein Mann als Koch arbeitet. Verglichen mit der Gastronomie verdiene ich gut und bin vor allem keinem Dauerstress ausgesetzt. Es gibt sicher viele Menschen, die mich beneiden, weil ich regelmäßige Arbeitszeiten, einen sicheren Job und kaum Stress habe.

Die Frage nach einer Schmerzgrenze beim Gehalt finde ich schwer zu beantworten. Ich denke, es kommt immer darauf an, was man gelernt hat und wie viel man zum Leben benötigt. Ich würde sicherlich auch mit 1.700 Euro gut über die Runden kommen. Wenn man aber allein lebt und alles allein bezahlen muss, sieht das schon wieder ganz anders aus.

Wohnen und Essen

Mein Mann und ich leben in einer Penthousewohnung in Dornbirn. Angesichts der hohen Immobilienpreise können wir uns das nur leisten, weil ich bereits einen Teil meines Erbes ausbezahlt bekommen habe und wir damit das Startkapital hatten, die Wohnung zu kaufen. Somit zahlen wir "lediglich" circa 670 Euro monatlich an Kredit zurück, dazu kommen noch die Betriebskosten – das sind 240 Euro pro Monat.

Und so sehen die Einnahmen und Ausgaben auf einen Blick aus.
der standard

Wir legen beide sehr viel Wert auf gesundes, regionales Essen in Bioqualität, weshalb wir sicher mehr als der Durchschnitt dafür ausgeben. Ich würde sagen, es sind sicher 250 bis 350 Euro pro Person pro Monat. Darüber hinaus gehen wir beide wahnsinnig gern gut essen, dafür wenden wir pro Person sicher nochmals 100 bis 200 Euro pro Monat auf. Und dann sind da noch die ungeliebten Ausgaben für Strom, Telefon und Internet. Diese machen in etwa 100 Euro pro Monat aus.

Mobilität und Hobbys

Da wir sehr viel unterwegs sind und dennoch versuchen, die Umwelt nicht zu sehr zu verpesten, besitzen wir nur ein Auto, und dieses wird mit Erdgas betrieben, wodurch wir uns einiges im Monat sparen. Zusätzlich besitze ich ein Jahresticket für den öffentlichen Verkehr in Vorarlberg, das ich beinahe täglich nutze und das mich gerade einmal einen Euro pro Tag kostet.

Obwohl ich sicher nicht schlecht verdiene und meine Wohnkosten nicht so hoch sind: Es gelingt mir nicht immer, so viel zu sparen, wie ich gern würde. Ein Fixbetrag von 50 Euro wird automatisch gespart, dazu habe ich noch eine private Unfallversicherung und diverse andere Versicherungen, die etwa 100 Euro monatlich ausmachen.

In meiner Freizeit lese ich sehr gern und viel, was mich aber nicht wirklich viel kostet – Internet sei Dank. Musik beziehe ich hauptsächlich über Spotify und Filme sowie Serien über Netflix und Amazon Prime. GIS zahle ich brav, da ich auch gern ORF schaue. Ansonsten gebe ich noch gern und regelmäßig Geld für Konzerte aus. Das kann in einem Monat mal 100 Euro ausmachen, in einem anderen Monat nur 20. Mein Budget wird weder durch teure Friseurbesuche noch durch Maniküre, Pediküre und so weiter belastet. Das erledige ich alles selbst – bis auf regelmäßiges Spitzenschneiden beim Friseur (circa 30 bis 40 Euro alle zwei Monate).

Fazit

Alles in allem glaube ich, dass ich ganz gut mit meinem Geld auskomme. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass ich viele Kosten mit meinem Mann teilen kann und wir fürs Wohnen vergleichsweise relativ wenig ausgeben." (Lara Hagen, 27.11.2017)

Wir wollen Ihre Geschichte hören

Es gibt Kollektivverträge, offengelegte Gehälter und Experten, die einschätzen können, wer wie viel verdient. Was aber heißt es, mit dem Gehalt einer Kassierin zu leben? Wie viele Kosten kommen auf Selbstständige in der IT-Branche zu? Und wie viel Geld bleibt am Ende des Monats bei einer Ärztin übrig? In dieser neuen Serie wollen wir uns dem Thema Gehalt aus Ihrer Sicht – der der Leserinnen und Leser – widmen.

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Wenn Sie uns mehr über Ihr Auskommen erzählen möchten, melden Sie sich: online.karriere@derstandard.at

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Rund vier Millionen unselbstständig Erwerbstätige (ohne Lehrlinge) erzielten 2015 laut Statistik Austria ein mittleres Bruttoeinkommen von 26.678 Euro. Die Einkommen von Frauen erreichten mit 20.334 Euro im Mittel allerdings nur 61,6 Prozent des Einkommens der Männer (33.012 Euro). Das liegt vor allem daran, dass Frauen viel häufiger teilzeitbeschäftigt sind.

Aber auch wenn der Einfluss von Teilzeit und nicht ganzjähriger Beschäftigung ausgeklammert wird und nur Personen berücksichtigt werden, die laut Lohnsteuerdaten Vollzeit beschäftigt sind und im Jahr 2015 mindestens 360 Tage im Jahr unselbstständig erwerbstätig waren (ohne Lehrlinge), bleiben Unterschiede: Das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen betrug demnach 35.023 Euro, während Männer im Mittel 42.364 Euro verdienten. (Lara Hagen)