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Russland vs. Google: Streit um Russia Today und Sputnik

22. November 2017, 10:30

Suchmaschineanbieter hatte Downranking der beiden Propagandamedien angekündigt – Russland reagiert mit Drohungen

Google steuert auf einen neuen Konflikt mit Russland zu: Im Rahmen des Halifax International Security Forum hat Google Chairman Eric Schmidt angekündigt, dass Propandamedien wie Russia Today und Sputnik künftig vom Suchalgorithmus abgewertet werden sollen. Damit reagiere man darauf, dass diese Medien immer wieder gezielt Falschmeldungen verbreiten, um Einfluss auf die Politik anderer Staaten zu nehmen.

Reaktion

Dieses Statement sorgt nun für die zu erwartende Reaktion aus russischen Regierungskreisen. Die staatliche Kommunikationsagentur Roskomnadzor hat Google dazu aufgefordert, diese Aussage zu präzisieren. Gleichzeitig droht man mit "ernsthaften" Vergeltungsmaßnahmen, falls Google sich tatsächlich zu einem solchen Schritt entscheidet. Beide Sender befinden sich vollständig im Staatseigentum.

Erst vor wenigen Wochen hat Twitter Sputnik und Russia Today aus ähnlichen Gründen aus seinem Werbenetzwerk verbannt, davon abgesehen dürfen sie auch beim Microblog weiter ihre Mitteilungen verbreiten. Auch Schmidt hält nichts von einer generellen Zensur, aber im Bestreben um die Verbesserung der Suchqualität gehe es eben auch darum Falschmeldungen weniger prominent zu platzieren.

Auf Nachfrage von The Verge wollte Google das Statement von Schmidt nicht kommentieren, man habe derzeit in dieser Hinsicht nichts anzukündigen. Allerdings verweist man darauf, dass man generell keine Änderungen an den Algorithmen vornehme, um einzelne Seiten abzuwerten, jede geplante Neuerung würde also wohl auch andere Nachrichtenquellen treffen.

Hintergrund

Google befindet sich schon seit einiger Zeit in einer zunehmend intensiver werdenden Auseinandersetzung mit dem russischen Staat. So wurde der Android-Hersteller vor einigen Monaten zur Zahlung einer Kartellstrafe in Millionenhöhe verurteilt, da die russischen Regulatoren – auf Betreiben des lokalen Google-Konkurrenten Yandex – die Vorauswahl der Google-Suche auf Smartphones als illegal ansahen. (red, 22.11.2017)