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Krankmachende Keime und Antibiotika-Resistenzen sind reale Gefahren.

Foto: dapd

Am ehesten mit "Terror" und "Asylanten" antwortet der durchschnittliche Österreicher auf die Frage, was ihm bei Gefahren und Risiken in den Sinn kommt. Das ergab das kürzlich von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) präsentierte Risikobarometer. Ages-Experten selbst sehen ganz andere Gefahren, wie etwa "Keime" oder "Resistenzen", und orten daher auch Informationsbedarf.

"Die Risiken, die wir als relevant sehen, werden von der Bevölkerung als nicht so relevant gesehen", kommentiert Ages-Geschäftsführer Wolfgang Hermann die Ergebnisse der repräsentative Umfrage unter 1.018 Personen, die gemeinsam mit dem Umweltbundesamt durchgeführt wurde. Krankmachende Keime, Antibiotika-Resistenzen und Ernährungsrisiken waren die Top-Risikothemen für die Experten.

"Bei den über 1.700 Rückmeldungen aus der Bevölkerung liegen diese Themen mit 1,4 Prozent der Antworten weit im Hinterfeld", so Herrmann. Terror kam hingegen auf 22,1 Prozent, gefolgt von 17 Prozent bei "Asylanten" bzw. Migration. Er sehe es daher als "Grundauftrag an die Ages", Informationen über wissenschaftlich belegbare Risiken dorthin zu bringen, wo sich Österreicher informieren. Er bezeichnete die Kommunikation als die große Herausforderung, um die Zielgruppen zu erreichen. Denn das Produkt, das ist die Information an sich, und diese muss vermittelt werden.

Risiken akzeptieren

Eine nicht unbedingte einfach Aufgabe, denn "Vertrauen ist eine delikate Währung", sagt der Direktor der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), Bernhard Url. Was vermittelt werden kann, sind Risiken. Jedoch kann die Wissenschaft nicht die Frage klären, "ob eine Gesellschaft Risiken akzeptieren will", denn hier ging es um eine Wertefrage, sagt Url. Und das sei "ein Spannungsfeld", wenn Wissenschaft auf Werte trifft. Gegenwärtig zeige sich dies bei der Glyphosat-Debatte, die nach Einschätzung des Efsa-Direktors längst nicht mehr wissenschaftlich abläuft.

Es scheint jedoch nicht immer auszureichen, über Gefahren und Risiken informiert zu sein: So schätzten die Befragten das Thema Fehl- und Überernährung als wenig besorgniserregend ein, gaben dabei an, sich darüber sehr gut informiert zu fühlen, ohne aber ihr Handeln danach auszurichten. Die Zahl der ernährungsassoziierten Krankheiten in Österreich ist jedoch nach wie vor hoch.

Passive Reaktionen

Stoßen Österreicher auf Risikoberichte, dann zeigte sich insgesamt fast ein Viertel der Bevölkerung als besorgt, ohne aber etwas zu unternehmen. Immerhin 34 Prozent gaben an, die eigenen Gewohnheiten vorübergehend zu ändern, ein Viertel auch dauerhaft. Ein Fortschritt, denn der Vergleich mit der 2007 durchgeführten Studie "Risiko in Österreich" zeigt, dass vor zehn Jahren noch knapp die Hälfte der Befragten passiv auf Risiken reagierte, denen man mit einer Verhaltensänderung begegnen könnte.

Gewisse Risikotypen, die für das Risikobarometer per Clusteranalyse ermittelt wurden, werden dies auch weiterhin nicht tun. Denn bei den fünf Typen ergaben sich unter anderem die Gruppen der "Arglosen" wie auch jene der "Unbelehrbaren". "Es gibt Personen, die sich aufgrund ihrer Werthaltung nicht unbedingt von der Wissenschaft beeindrucken lassen", stellt der Ages-Geschäftsführer dazu fest. Auch diese Menschen zu erreichen, sei eine Herausforderung. (APA, 22.11.2017)