DER STANDARD

Otis und das Schneehuhn

2. Dezember 2017, 00:01

Weihnachten besteht aus den trockenen Nadeln des Christbaums, die sich im Teppich verschanzen. Weihnachten, das ist eine Wiener Innenstadt, die sich über Nacht von einem Tollhaus in ein Niemandsland verwandelt, in dem Schnee wie Watteflöckchen herabtänzelt, ehe er sich in Matsch verwandelt. Verlässlich!

Weihnachten bedeutet eine Begegnung mit einem Champagnerkorken, den man am Tag nach Heiligabend in einer Zimmerecke findet. Auch verlässlich. Zu Weihnachten hat das Andenken an den Großvater einen Auftritt, einen polternden, lachenden Bären, der nach dem Mahl Calvados trinkt, während die verkohlten Sternspritzer ihren Geruch ins Wohnzimmer hängen und abgenagte Gänseknochen samt Knödelresten in der Abwasch ruhen. Am Stefani-Tag geistern Bilder aus fremden Wohnungsfenstern, Bilder von Menschen, die in Morgenmäntel gehüllt auf dem Diwan in ihren neuen Büchern lesen. Zufrieden. Weihnachten bringt eine Erinnerungsbescherung an eine Fahrt in der menschenleeren S-Bahn. An einem Heiligen Abend. Auf das Dach des Zuges schlägt der Regen nieder, als wäre er eine Horde Duracell-Hasen.

In der Weihnachtszeit singt Otis Redding White Christmas, während anderswo ein Schneehuhnmännchen auf einen hohlen Baumstamm trommelt. Weihnachten ist ein streng gezogener Scheitel im Kalender: ein Weihnachten mehr, aber auch eines weniger.

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