Foto: Concierge Auctions

Die Luxusvilla unterm virtuellen Hammer

25. November 2017, 16:00

Nicht nur Kunstwerke werden derzeit zu Rekordpreisen versteigert, auch Immobilien mit unklarem Marktwert gehen immer öfter an die Höchstbietenden

Bei Auktionen von Immobilien denken viele zuallererst an Zwangsversteigerungen: Dabei werden Häuser oder Wohnungen, deren Eigentümer in finanzielle Schieflage geraten sind, zur Tilgung der Schulden an den Meistbietenden verkauft. Je nach Zustand und Lage der Immobilie kann dabei mit etwas Glück auf ein Schnäppchen gehofft werden.

"Unsere Auktionen sind das genaue Gegenteil davon", sagt Charlie Smith, beim Auktionshaus Concierge Auctions für Europa zuständig. Zwangsversteigerungen gibt es beim New Yorker Unternehmen keine, dafür kamen schon französische Schlösser, ein texanischer Nachbau des Weißen Hauses oder ein Palazzo in Venedig unter den Hammer.

Smith findet, dass auch Luxusimmobilien, genau wie Kunst oder teure Autos, im Rahmen einer Versteigerung an den Höchstbietenden gehen sollten. Insgesamt wurden laut Angaben von Concierge Auctions 2016 Anwesen mit einem Gesamtwert von 300 Millionen Dollar versteigert. Bis Ende 2018 soll dieser Gesamtwert bei zwei Milliarden Dollar seit der Unternehmensgründung 2008 liegen.

Kaum Vergleichbares

Die Verkäufer sind laut Charlie Smith typischerweise keineswegs knapp bei Kasse, aber "fertig mit der Immobilie". Oftmals stehen ihre prunkvollen Anwesen schon seit Jahren zum Verkauf. Das Interesse daran hielt sich aber in Grenzen. Durch die Ankündigung einer Auktion und die damit einhergehende PR-Kampagne würde aber plötzlich viel Aufmerksamkeit generiert, ist Smith überzeugt.

Was die Luxusimmobilien, die versteigert werden, gemeinsam haben: Ihr Marktwert ist schwer zu ermitteln, weil es kaum Vergleichbares gibt. Der tatsächliche, tagesaktuelle Marktwert zeige sich erst bei der Auktion.

In den meisten Fällen verzichtet man bei Concierge Auctions dabei aber auf ein Mindestgebot – was manchen Verkäufer nervös macht. Der Vorteil sei aber, dass sich dadurch größeres Interesse generieren lasse. Und wenn mehr Interessenten mitbieten, treibt das den Preis in die Höhe, argumentiert Smith, dessen Büro sich in London befindet.

Kein Ausverkauf

Das bedeutet aber auch, dass die Immobilie um einen Euro den Besitzer wechseln könnte – zumindest theoretisch. Denn in der Realität werde eine Auktion, für die es im Vorfeld kein ausreichendes Interesse gibt, nicht abgehalten, sagt Smith: "Bei uns gibt es keinen Ausverkauf." Von den für 2016 anberaumten 133 Versteigerungen wurden daher nur 85 der Häuser auch verkauft.

Die Digitalisierung hat längst auch bei Immobilien-Auktionen Einzug gehalten: Fast alle Auktionshäuser bieten heute die Möglichkeit, online mitzusteigern. "Es ist besser, diesen Prozess direkt zu den Menschen zu bringen und es Interessenten so einfach wie möglich zu machen", sagt Smith. So gebe es "volle Transparenz" für Käufer und Verkäufer.

Wer mitbieten will, muss vorab Teilnahmebedingungen unterzeichnen, 100.000 Dollar Kaution überweisen und die Bonität nachweisen. Die Auktion selbst dauere dann meist nicht länger als 20 oder 30 Minuten. Zwischen zehn und zwölf Prozent des Kaufpreises muss der Käufer dann an das Auktionshaus bezahlen – verhandelt wird nicht.

Käufer aus Österreich

In Österreich wurde von Concierge Auctions bisher noch keine Immobilie versteigert. Österreicher hätten aber bereits Immobilien ersteigert, versichert man beim Auktionshaus.

Mitgesteigert wird nicht nur von Amerikanern, Interesse gebe es auch aus Australien, Südamerika und dem Nahen Osten, so Smith – und "auffällig viele Interessenten" kommen aus Deutschland. Außerdem wird China immer wichtiger. Im Dezember wird dort eine eigene Portfolio-Versteigerung veranstaltet. Gekauft wird aus unterschiedlichen Gründen: Die Immobilien werden etwa als Haupt-, Zweit- oder Drittwohnsitz bewohnt oder gewerblich genutzt.

Nur rund ein Drittel der Käufer schauen sich die Immobilie im Vorfeld der Auktion überhaupt an, berichtet Smith. Manche schicken Bekannte, Anwälte oder Sachverständige vorbei. Aber ein Drittel kauft, ohne dass sie selbst oder Bekannte sich einen Eindruck vor Ort verschafft haben, und verlässt sich ganz auf Online-Informationen, Drohnen-Videos und Fotos. Ein bisschen überraschend findet das auch Smith: "Aber ein Kunstsammler schaut sich das Kunstwerk, das vielleicht am anderen Ende der Welt versteigert wird, auch nicht vorher an."

Smith jedenfalls ist davon überzeugt, dass eine Versteigerung von Immobilien in "jedem Land der Welt, wo es einen regulären Immobilienmarkt gibt", funktionieren könnte. Dahinter liegt für ihn die Angst vieler Menschen, zu viel für etwas zu bezahlen: "Das ist ein schreckliches Gefühl, das wir alle kennen." Bei Auktionen wisse man aber wenigstens, "dass da jemand knapp hinter einem war, der bereit war, den Preis zu bezahlen. Und das ist ein Gefühl, das alle Nationen anspricht." (zof, 25.11.2017)