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Datenschützer entsetzt: Gesichtsscanner in österreichischen Apotheken

25. November 2017, 12:42

Zeigt nach einem Scan Werbung für Medikamente an – Daten werden lokal verarbeitet

Der Pharmakonzern Bayer Austria hat derzeit in zwei österreichischen Apotheken Gesichtsscanner im Einsatz. Entdeckt hatte dies der ORF-Journalist Patrick Gruska. Einer der Apotheken befindet sich in Linz. Wie die Futurezone berichtet, werden die Gesichtsscans dafür genutzt, das ungefähre Alter und Geschlecht zu identifizieren und dann zielgruppengerechte Werbung einzublenden. Nach einem Scan wird dem Kunden ein bestimmtes Medikament empfohlen.

ORF-Journalist Patrick Gruska entdeckte die Gesichtsscanner in einer Linzer Apotheke.

Aufnahmen lokal verarbeitet und keine Speicherung

Die Aufnahmen sollen lokal bearbeitet und weder gespeichert, noch weitergereicht werden. Die Geräte sind allerdings mit dem Internet verbunden und werden ferngewartet. Der Gesichtsscan soll sofort nach der Aufnahme gelöscht werden. Zudem wird eine weitere Verknüpfung ausgeschlossen – etwa, welches Produkt der Kunde dann tatsächlich gekauft hat.

"Friss-oder-Stirb-Mentalität"

Bisher soll sich noch kein Kunde über die Geräte beschwert haben. Sie sollen erst seit kurzem im Einsatz sein. Laut Bayer wurde die Technologie bereits geprüft und mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert. Die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage zeigt sich trotzdem entsetzt. "Bayer informiert zwar darüber, aber von einer Einwilligung kann nicht die Rede sein", sagt eine Sprecherin gegenüber Spiegel Online. Wer nicht überwacht werden wolle, müsse woanders einkaufen, das sei eine "Friss-oder-Stirb-Mentalität".

So sieht das System in einer der Apotheken aus.
foto: bayer austria

In Deutschland Widerstand gegen Test

In Großbritannien sind Gesichtsscanner hauptsächlich in Modegeschäften bereits vielerorts im Einsatz. In Deutschland testete die Supermarktkette Real und die Deutsche Post bereits ähnliche Geräte. Damals hatte Digitalcourage gegen sie geklagt und auf das deutsche Bundesdatenschutzgesetz verwiesen. Nach kurzer Zeit verschwanden die Gesichtsscanner dann auch wieder.

Technologie wird kritisch diskutiert

Die zwei Gesichtsscanner in den heimischen Apotheken sind laut Bayer ebenso ein Testprojekt. Dadurch soll geprüft werden, ob man die Geräte auch weitläufiger verwenden werde. Automatische Gesichtserkennung wird nicht zuletzt wegen dem iPhone X momentan kritisch diskutiert. Erst kürzlich warnte Edward Snowden vor dem Gesichtsscanner bei dem Smartphone. (dk, 25.11.2017)