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ÖH warnt Türkis-Blau vor "studierendenfeindlicher Politik"

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27. November 2017, 13:12

Die Studierendenvertreter sprechen sich gegen Studiengebühren aus. Schlechte Bewertungen von Lehrenden sollen Konsequenzen haben

Wien – Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) warnt die Regierungsverhandler von ÖVP und FPÖ schon einmal präventiv. "Wenn eine zukünftige Regierung meint, sie muss studierendenfeindliche Politik umsetzen, dann muss sie natürlich mit unserem Widerstand und Protest rechnen", sagte die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Marita Gasteiger (Gras) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die ÖH warnt vor generellen Studiengebühren und fordert eine "verpflichtende didaktische Schulung für alle Lehrenden".
orf

Grund zur Sorge sehen die ÖH-Vorsitzenden vor allem darin, dass das von der ÖVP geführte Wissenschaftsministerium das Universitätsgesetz bezüglich der Studiengebühren für erwerbstätige Studierende bisher nicht repariert hat. Sollte das bis 30. Juni nicht passieren, müssen auch Studierende, die arbeiten, künftig Studiengebühren zahlen. "Die Studienbeiträge in ihrer jetzigen Form sind zu kompliziert und gehören generell abgeschafft", sagt Gasteiger.

Lehrende bewerten

Auf dem Forderungskatalog der ÖH an die neue Regierung und die Universitäten finden sich unter anderem Konsequenzen für Lehrende, die regelmäßig von ihren Studierenden schlecht bewertet werden. Zu oft würden schlechte Ergebnisse in Schubladen verschwinden, hieß es. Wer regelmäßig schlecht bewertet wird, soll Seminare in Didaktik besuchen müssen, so ein Vorschlag.

Derzeit sind die Universitäten verpflichtet, eine interne Qualitätskontrolle durchzuführen. Wie genau das passiert, bleibt den Hochschulen selbst überlassen. An den Fachhochschulen ist eine Evaluierung verpflichtend.

Generell soll Lehrenden in verpflichtenden Didaktikkursen vermittelt werden, wie sie "bestehbare Prüfungen" durchführen können, sagte ÖH-Vorsitzende Johanna Zechmeister von den Fachschaftslisten. "Und damit meine ich nicht, dass Studierende durchs Studium getragen werden sollen." Sie verwies unter anderem auf einen Professor an der Technischen Universitäten Wien, bei dessen Prüfungen 97 Prozent der Studierenden durchfallen.

Symptome statt Ursachen

Eine Absage erteilte die ÖH-Vorsitzende erneut den Vorschlägen der Rektoren. Diese hatten gefordert, die möglichen Prüfungsantritte für Studierende von vier auf drei zu reduzieren und prüfungsinaktive Studierende exmatrikulieren zu dürfen. "Hier werden Symptome thematisiert und nicht deren Ursachen", sagte Zechmeister.

Studierende würden nicht aus Spaß Prüfungen wiederholen. "Wir wissen alle, dass wir mal einen schlechten Tag haben können." Weniger Prüfungsantritte würden die Zahl der kommissionellen Prüfungen ansteigen lassen, wodurch die Universitäten mehr Personal und damit erst recht mehr Geld bräuchten. Eine Verzögerung der Studienzeit liege daran, dass viele Studierende nebenbei arbeiten oder Kinder betreuen müssten. Sie dafür zu bestrafen, sei falsch.
Die schlechte Betreuungssituation und die geringen Budgets an den Universitäten seien nicht die Schuld der Studierenden, bekräftige Gasteiger.

Familienbeihilfe ausweiten

Für eine Ausweitung der Familienbeihilfe und eine automatische Valorisierung der Studienbeihilfe sprach sich die zweite Stellvertreterin Hanna Lutz (VSStÖ) aus. Dass die Familienbeihilfe nur bis Alter von 24 Jahren ausbezahlt werde, obwohl der Durchschnitt der Studierenden 26 Jahre alt sei, sei absurd. (koli, 27.11.2017)