Foto: Leonhard Hilzensauer

Wiener Designer entwirft Smartphone-Ersatz für Süchtige

27. November 2017, 11:00

"Substitute Phone" hat haptisches Erlebnis wie bei einem Smartphone, aber komplett ohne Elektronik

Viele Smartphone-Nutzer werden schon einmal das folgende Erlebnis gemacht haben: Man scrollt und wischt sich minutenlang durch eine rasch wechselnde Reihe von Programmen, nur um sich dann kurz danach zu fragen: "Was habe ich eigentlich gerade gemacht?". Statt produktivem Abarbeiten von anstehenden Aufgaben, wird hier nur mehr eine Art innerer Drang nach dem haptischen Erlebnis der Smartphone-Interaktion befriedigt – ein klassisches Suchtverhalten. Genau diesen Drang will nun ein österreichischer Designer befriedigen – und zwar ganz ohne Smartphone.

Substitut

Das "Substitute Phone" versteht sich als Ersatzprodukt für alle Smartphone-Süchtigen, wie der aus Wien stammende Designer Klemens Schillinger in einem Blogeintrag ausführt. Elektronik findet sich darin zwar nicht, aber durch Form und Wahl der Materialien bietet es ein ähnliches Haltegefühl wie aktuelle Smartphones. Zudem gibt es je nach Modell Steinkugeln in unterschiedlicher Anordnung, womit Scrollgefühl oder auch die Gestennutzung imitiert werden können. Schillinger sieht in der Reduktion auf das Bewegungsgefühl einen therapeutischen Ansatz, der Abhilfe bei Entzugsphänomenen bieten soll.

foto: leonhard hilzensauer

Inspiration

Im Gespräch mit "Deezen" betont Schillinger, dass ihm die Idee für das Substitute Phone gekommen ist, als er bemerkt hatte, wie oft er täglich eigentlich zum Smartphone gegriffen hat. Eine weitere Inspiration sei der Autor Umberto Eco gewesen, der sich das Pfeiferauchen abgewöhnt hat, indem er diese schlicht mit einem Stock ersetzt hat.

Offline Lamp

Es ist übrigens nicht das erste Projekt, in dem sich Schillinger mit unser aller Interaktion mit mobilen Geräten auseinandersetzt. So hat er mit Offline Lamp eine Lampe entwickelt, die erst dann angeht, wenn man ein Smartphone in die darunter befindliche Lade legt. Zu sehen gab es beide Objekte zum ersten Mal vor einigen Wochen im Rahmen der Vienna Design Week unter dem Titel "#Offline – Design for the (good old) real world".

Einziger Schönheitsfehler an all dem: Zu Kaufen gibt es das Subsitute Phone derzeit noch nicht. (apo, 27.11.2017)