Foto: Fortnite BR

"Fortnite": Hersteller klagt 14-jährigen Cheater

27. November 2017, 14:18

Epic soll mit Aimbots Jagd auf bekannte Streamer gemacht haben. Eine Mutter sieht ihren Sohn als Sündenbock

Nicht nur "Playerunknown’s Battlegrounds" ("PUBG") hat mit Cheatern zu kämpfen, auch Epics bunter Konkurrent "Fortnite: Battle Royale" plagt sich mit Teilnehmern, die es mit der Fairness nicht besonders genau nehmen. Entwickler Epic Games greift im Kampf gegen unlautere Gamer nun zu schwerem Geschütz.

Das Unternehmen hat zwei User, die des elektronischen Betrugs überführt werden konnten, nicht nur gesperrt, sondern geht nun wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen und das Urheberrecht mit einer Zivilklage gegen sie vor. Ein Fall sorgt dabei für besondere Aufmerksamkeit, denn der Beklagte ist gerade einmal 14 Jahre alt.

Vielfach gesperrt

Die Entwicklung von Cheatsoftware setze voraus, dass der Code des Games "reverse-engineered", also durch umfassende Analyse des fertigen Spiels rekonstruiert und anschließend manipuliert werde. Daraus leitet Epic einen Copyrightverstoß ab. Die Vorwürfe gehen aber darüber hinaus.

Nicht nur sollen die Angeklagten technischen Support für die Plattform "Addicted Cheats" geliefert, sondern auch mittels Aimbot gezielt Jagd auf Streamer gemacht haben. Ein Phänomen, das mittlerweile unter dem Namen "Stream Sniping" bekannt ist. Der Junge soll zumindest 14 Mal unter verschiedenen Kontonamen gecheatet haben und gesperrt worden sein. Der andere Angeklagte kommt auf wenigstens 90 Bans. Er soll auch aktiv einen Workaround verbreitet haben, nachdem durch Anti-Cheat-Maßnahmen von Epic der Aimbot nicht mehr funktionierte.

Gametalk zu "Fortnite: Battle Royale"
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Mutter sieht Sohn als "Sündenbock"

Die Mutter des 14-Jährigen setzt sich nun zur Wehr und hat ihrerseits eine Stellungnahme bei Gericht deponiert. Sie erklärt, dass die Nutzungsbedinungen von "Fortnite" für Spieler diesen Alters elterliche Zustimmung verlangen, die sie aber nie gegeben habe. Epic könne auch keine Verluste geltend machen, da es sich um ein Free2Play-Game handle. Ihr Sohn habe zudem nichts mit der Entwicklung oder dem Vertrieb des Cheatingtools zu tun, sondern habe es als "Nutzer" von einer öffentlich zugänglichen Website heruntergeladen. Epic könne nicht nachweisen, dass irgendeine Modifizierung des Spiels stattgefunden habe.

Zudem würde Epics Vorgehen, einzelne Spieler anstelle der Hersteller der Schummelsoftware zu klagen, ihren Sohn zum "Sündenbock" machen. Weiters könnte das Games-Studio durch die Nennung des Namens ihres Kindes die Gesetze des Bundesstaates Delaware verletzt haben. Sie fordert, dass das Gericht die Klage abweist.

Torrentfreak weist darauf hin, dass es auf Basis der Gesetzeslage auch nicht möglich ist, minderjährige Personen direkt zu verklagen. Dies wirft den Verdacht auf, dass Epic vor Initiierung des Prozesses gar nicht über die Identität des Angeklagten informiert war.

Epic: Cheaten tabu, Alter egal

Der Entwickler allerdings erklärt dazu, dass man gar keine andere Wahl hatte, als zu klagen. Denn der Angeklagte habe sich gegen eine bei Youtube eingereichte Löschaufforderung gewehrt. Dabei ging es um ein Video, das erklärte, wo man Cheattools für "Fortnite" findet und wie man diese anwendet. Man habe nur die Wahl gehabt, eine Klage einzureichen oder gar nichts zu tun.

"Epic ist nicht einverstanden mit Cheaten oder Copyrightverstößen, egal von wem und in welchem Alter", so die Stellungnahme gegenüber Kotaku. "Wir nehmen Cheating ernst und werden alle verfügbaren Optionen ausschöpfen, um sicherzustellen, dass unsere Spiele unterhaltsam, fair und herausfordernd für die Spieler sind." (gpi, 27.11.2017)