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Netflix in den USA für Netzneutralität, in Europa auf Seite der Gegner

29. November 2017, 11:00

Streaming-Anbieter brachte mit der Deutschen Telekom "Zero Rating"-Angebot an den Start

In den USA sollen die Uhren wieder zurück gedreht werden. Präsident Donald Trump und seine Administration wollen die strikte Umsetzung der Netzneutralität wieder abschaffen – bereits in wenigen Tagen wird die US-Telekommunikations-Aufsicht FCC entsprechende erste Schritte setzen. Dagegen machen Aktivisten und IT-Konzerne Front, die vor einem "Zwei-Klassen-Netz" und das "Ende des offenen Internets" warnen.

Besonders laut tritt Netflix in den USA für den Erhalt der Netzneutralität ein. In Europa ist das Streaming-Unternehmen hingegen bei der Aufweichung der Regeln in erster Reihe mit dabei. So können Mobilfunkkunden der Deutschen Telekom in Deutschland, den Niederlanden, Griechenland, Kroatien und Rumänien Netflix nutzen, ohne dafür auf ihr Datenvolumen zu verbrauchen. Der Deal wurde letzte Woche von den beiden Unternehmen öffentlich gemacht.

"Zero Rating"-Angebote umstritten

Derartige "Zero Rating"-Angebot sind umstritten, weil damit bestimmte Internetservices gegenüber anderen bessergestellt werden. Die EU-Netzneutralitätsverordnung schreibt hingegen vor, dass alle Daten im Internet diskriminierungsfrei gleich behandelt werden müssen. Das Prinzip der Netzneutralität soll einen freien Internetzugang garantieren.

Internetaktivisten befürchten, was die Deutsche Telekom mache, sei erst der erste Schritt. Als mahnendes Beispiel wird Portugal genannt. In dem EU-Land bietet der Internetprovider MEO in Mobilfunktarifen um je fünf Euro monatlich Pakete wie "Messaging", "Social", "Video", "Music", "Email&Cloud" an. Außerdem könnte es passieren, dass Streaminganbieter künftig dafür zahlen müssen, um in ein Paket aufgenommen zu werden.

Thomas Lohninger von Epicenter.works sagt zum STANDARD: "In der Öffentlichkeit gibt sich Netflix als Befürworter der Netzneutralität. Wo es seiner Marktposition hilft, ist Netflix auch bereit, sie zu verletzen. Der Grund ist klar: Netflix ist groß genug, um auf Augenhöhe mit den großen ISPs über bevorzugten Zugang zu verhandeln. Konkurrenten von Netflix und kleinere Internetanbieter bleiben dabei auf der Strecke.

Verfahren gegen A1

Ob T-Mobile Österreich ebenfalls dieses Angebot an den Start bringen wird, war nicht in Erfahrung zu bringen. Dementiert wird es nicht. Der Mobilfunker A1 bietet Streaming ohne Datenverbrauchen von Netflix seit einigen Wochen an und sich prompt ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Netzneutralität eingefangen. Derzeit prüft die Telekombehörde RTR, wie sie weiter vorgeht. Gegen dem STANDARD betont man seitens A1, dass Netflix nichts für die Nutzung des Handynetzes zahlt. (sum, 29.11.2017)