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Kürzere Aufenthaltsdauer bei Erasmus-Programm soll möglich werden

28. November 2017, 10:20

Die Mindestdauer ist für Berufstätige und Eltern ein Problem, sagt der Geschäftsführer des Austauschdiensts

Wien – Der Geschäftsführer des Österreichischen Austauschdiensts, Stefan Zotti, will das Mobilitätsprogramm Erasmus-Plus flexibler machen. Vor allem die Mindestaufenthaltsdauer für Praktika von drei Monaten hindere viele Berufstätige bzw. Personen mit familiären Verpflichtungen an einer Teilnahme. "Wir brauchen daher mehr Flexibilität und auch kürzere Aufenthalte", so Zotti.

Gerade in Österreich mit seinem hohen Anteil an berufstätigen Studenten verlieren deshalb viele Personen die Chance auf einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum im Ausland. "Für einen Kellner wird es kein Problem sein, wieder einen Job zu finden. Aber gerade Studenten von technischen Hochschulen sind nebenbei facheinschlägig beschäftigt. Ein Architekturstudent oder angehender Bauingenieur überlegt sich wahrscheinlich schon fünfmal, ob er den Job im Ziviltechnikerbüro für ein Semester Auslandsaufenthalt ausgibt."

Austausch mit anderen Ländern

Daher müssten künftig auch kürzere Auslandsaufenthalte möglich sein. "Mit den im Regelfall sechs Monate dauernden Lehraufenthalten und der Mindestdauer von drei Monaten bei Praktika setzen wir zu hoch an", meinte Zotti. "Einmal zwei Wochen auf Praktika gehen, kann ich mit dem Arbeitgeber oder der Familie eher klären – das gilt gerade für berufstätige Studierende an Fachhochschulen." Das habe man der EU-Kommission bereits mehrfach kommuniziert und auch bei Treffen mit den Austauschdiensten anderer Länder im Rahmen des Forum Alpbach thematisiert.

Hindernis Studienplan

Ein anderes Hindernis für Auslandsaufenthalte sieht Zotti in den Studienplänen. "Wir schauen uns an, ob es in den Studien Mobilitätsfenster gibt – also ob es etwa vorgesehen ist, dass man zum Beispiel im dritten oder fünften Semester hinausgehen kann. Oder ist das Studium so designt, dass man wahrscheinlich ein Semester verliert?" Derzeit seien "studientechnische Fragen oft nicht so gelöst, dass damit mehr Aufenthalte im Ausland gefördert werden." (APA, 28.11.2017)