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Zwischen HIV-Infektion und Diagnose liegen im Schnitt drei Jahre

28. November 2017, 10:49

Das größte Problem ist laut Experten, dass HIV häufig immer noch sehr spät diagnostiziert wird

Stockholm – Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in 31 Staaten der EU und des europäischen Wirtschaftsraums ist im Vorjahr auf gleichem Niveau geblieben wie 2015. In den 31 Staaten wurden insgesamt 29.444 Neuinfektionen an das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) gemeldet.

Problematisch ist weiterhin mit 48 Prozent die hohe Zahl der Spätdiagnosen, berichteten ECDC und die WHO aus Anlass des bevorstehenden Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Bei Personen über 50 Jahren seien überhaupt 63 Prozent spätdiagnostiziert. Im Durchschnitt vergehen zwischen Infektion und Diagnose drei Jahre, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Für Österreich meldete die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) 255 Neuinfektionen an das ECDC. Allerdings beruhen diese Daten auf einer österreichischen HIV-Kohorte, bei der die in ausgewählten Behandlungszentren gesammelten Daten hochgerechnet werden. Das Gesundheitsministerium weist demgegenüber 447 Neuinfektionen im vergangenen Jahr aus, 19 mehr als 2015. In Österreich wurden 2016 außerdem vier Blutspenden positiv getestet. Überprüft wurden insgesamt 400.102 Spenden.

Lettland am stärksten betroffen

Die häufigste Übertragungsart von HIV ist nach wie vor Sex zwischen Männern. In den 31 Staaten des EU/EWR-Gebiets beruhen laut ECDC 40 Prozent auf homosexuellen Kontakten unter Männern. 32 Prozent der Übertragungen erfolgen über heterosexuelle Kontakte. Vier Prozent der Infektionen entstanden durch die Nutzung gebrauchter Spritzen. Weniger als ein Prozent des Übertragungen entfällt auf Mütter, die ihr Neugeborenes anstecken. Bei den restlichen Betroffenen bleibt der Ansteckungsweg im Dunkeln.

Die meisten Neudiagnosen wurden in Lettland registriert, gefolgt von Estland und Malta. Die wenigsten Fälle gab es in der Slowakei und Ungarn. Männer waren mit 8,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 2,6 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Schnitt gibt es in den 31 Ländern 5,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Elf Prozent betrifft die Altersgruppe 15 bis 24 Jahre, 19 Prozent jene über 50 Jahren.

In der WHO Europaregion wurden 160.453 Neuinfektionen registriert. Zu dieser Region gehören 53 Länder vom Atlantik bis zum Pazifik, darunter auch Russland und Turkmenistan. Das ist die höchste Zahl, die jemals festgestellt wurde, sagte WHO-Regionaldirektor Zsuzsanna Jakab. 48 Länder der WHO-Europaregion meldeten insgesamt 14.897 Menschen mit der Diagnose Aids. (APA, 28.11.2017)