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Internetbetrug: Warum Menschen noch immer auf den Prinzen aus Nigeria hereinfallen

1. Dezember 2017, 09:30

Internetbetrugsfälle nehmen zu, die Opfer sind in allen Personengruppen zu finden

Eine 60-jährige Salzburgerin wollte einem wohlhabenden Engländer, der in Südafrika festsaß, aus der Patsche helfen und zahlte ihm vergangenen Sommer 30.000 Euro. Eine 72 Jahre alte Kärntnerin überwies 2016 einer Internetbekanntschaft mehrere zehntausend Euro. Der Mann wollte damit eine U-Bahn in der nigerianischen Stadt Lagos bauen.

Bereits 2014 leistete ein Mann aus Oberwart eine Sicherheitsleistung von 27.500 Euro, um Bodenlegearbeiten im Buckingham-Palast durchführen zu können. "Prince Harry" hatte ihn dafür auf Facebook angeschrieben. Das klingt nicht nur stark nach Betrug, es ist es auch. Und obwohl ähnliche Internetbetrugsversuche für viele Nutzer ganz offensichtlich sind und nicht mehr als amüsiertes Kopfschütteln auslösen, fallen immer wieder Menschen darauf herein und schicken ihr Erspartes an imaginäre Prinzen oder Präsidentenwitwen in Not.

Internetbetrug nimmt zu

Internetbetrug ist bei den Cybercrime-Delikten stark auf dem Vormarsch, wie aus Erhebungen des Bundeskriminalamts hervorgeht. Darunter fallen verschiedene Arten des Betrugs. Love Scam etwa, bei dem Betrüger eine Beziehung zu ihren Opfern aufbauen und dann vortäuschen, in Geldnöten zu sein. Bekannt sind auch Benachrichtigungen über Lottogewinne in sagenhafter Höhe und E-Mails, in denen ein todkranker Millionär ohne Erben jemanden sucht, dem er sein Geld hinterlassen kann. Natürlich unter Angabe persönlicher Daten und einer Vorschussleistung, weil das Geld gerade auf seinem Konto eingefroren ist. Schäden in Millionenhöhe verursacht der sogenannte CEO-Fraud. Hier geben sich Betrüger als Firmenchefs aus und versuchen, Mitarbeiter zu Geldtransaktionen zu bewegen.

Die Kontaktaufnahme erfolgt meist über E-Mail oder soziale Netzwerke – entweder mit einer massenhaft ausgeschickten Nachricht oder auch gezielt an bestimmte Personen. Dabei muss die Bitte um finanzielle Hilfe nicht unbedingt von einem fremden E-Mail-Account kommen. Es kann auch passieren, dass sich Täter Zugang zu einem E-Mail-Konto verschaffen und dann Personen aus den Kontakten anschreiben. Verzeichnete das Bundeskriminalamt 2015 noch 7.473 angezeigte Internetbetrugsfälle, waren es 2016 schon 9.672 Fälle – ein Plus von 29,4 Prozent. Die Dunkelziffer liegt wohl höher – vermutlich gehen nicht alle Opfer damit zur Polizei, aus Scham in eine eigentlich offensichtliche Falle getappt zu sein.

Aber wie kann es sein, dass noch immer so viele Menschen auf Betrugsmaschen hereinfallen, die seit Jahren bekannt sein sollten? Sind einige Personengruppen dafür vielleicht anfälliger als andere? Thorsten Behrens, Projektleiter für die Watchlist Internet des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation, verneint das. Die Opfer sind in allen Schichten zu finden – sowohl ältere und weniger internetaffine Personen als auch jüngere und Akademiker können Opfer der Scammer werden. "Die Betrugsversuche sind psychologisch sehr gut gemacht, das sind gute Geschichten", sagt Behrens zum STANDARD. Beim Love Scam etwa werden gezielt Personen auf Dating-Plattformen angeschrieben, die auf der Suche nach einer Beziehung sind.

Betroffene ahnen Betrug

Dabei haben die Betroffenen oft durchaus das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wollen die Geschichte aber trotzdem einfach glauben. Sei es nun der Notfall der Internetbekanntschaft oder der sagenhafte Gewinn, der ihnen per Mail versprochen wurde. Wer beispielsweise Zeit und Gefühle in eine Internetbeziehung investiert hat, will wohl nicht so schnell wahrhaben, dass alles nur Lug und Trug war. "Und teilweise muss einfach auch der sachliche Verstand aussetzen", so Behrens. Anders sei nicht zu erklären, wie jemand auf einen ganz offensichtlichen Betrugsversuch angeblicher Prinzen hereinfällt.

Das Problem ist, wie man Nutzer vor Internetbetrug warnen kann. Denn viele informieren sich zwar durchaus und lesen Berichte über Betrugsfälle, bringen diese dann jedoch nicht mit ihrer Situation in Verbindung, sagt der Experte. Man kann nur immer wieder warnen, so Behrens. Unter welchem Vorwand auch immer man im Internet von einer Person kontaktiert wurde: Niemals sollte man Geld überweisen oder sensible Informationen wie Bankdaten preisgeben. Kommt die Bitte von einem Bekannten oder Kollegen, sollte man diese auf anderem Weg nochmals kontaktieren und nachfragen.

Auf Seiten wie Watchlist Internet, Safer Internet und Mimikama wird sowohl über allgemeine Betrugsmaschen wie auch über aktuelle Fälle informiert. Das Bundeskriminalamt gibt auf seiner Website ebenfalls Tipps, wie man Betrug verhindern kann und an welche Stellen sich Opfern wenden können. (Birgit Riegler, 1.12.2017)