Foto: Star Citizen

"Star Citizen"-Hersteller verkauft nun virtuelles Land, das es noch nicht gibt

30. November 2017, 11:23

Umstrittene Aktion: Bis zu 120 Dollar kostet eine Lizenz für ein Grundstück

Nach virtuellen Raumschiffen können Unterstützer des in Entwicklung befindlichen Sci-Fi-Spiels "Star Citizen" nun Lizenzen für virtuelle Landstriche erwerben. Für 60 Dollar erwirbt man das Recht auf ein Grundstück von 16 km², für 120 Dollar erhält man 64 km². Der Haken daran: Bislang ist wurde weder die dazugehörige Spielmechanik entwickelt, noch ist das eigentliche Spiel in seiner fertigen Fassung erhältlich. Nach einer fast sechsjährigen Entwicklung steckt "Star Citizen" aktuell immer noch in der Alpha-Phase, wobei Unterstützern nur wenige Module des Spiels zur Verfügung stehen. Ursprünglich wurde die Fertigstellung mit 2014 anberaumt, nun wird nicht vor Ende 2018 mit der finalen Fassung gerechnet.

Viel Skepsis, keine Garantie

Dementsprechend skeptisch wurde der Landverkauf von der Community aufgenommen. Denn zum einen erhalten Spieler mit der Lizenz ein derzeit imaginäres Stück Land, das sie später laut Hersteller Cloud Imperium Games auch mit Spielgeld erwerben können und zum anderen gibt es keinerlei Versicherung dafür, dass die diesbezüglich angekündigte Spielmechanik auch wirklich umgesetzt wird. Zumindest der Idee nach sollen Spieler später einmal Bodenstationen oder Außenposten auf ihren Grundstücken errichten können, um von dort aus Handel oder Bergbau betreiben zu können – virtuelle Rohstoffe sollen später einmal eine wichtige Rolle im Ökosystem von "Star Citizen" spielen.

Dass der Hersteller keine Garantie auf die versprochenen Features geben kann, weiß der Hersteller wohl auch selbst, weshalb man den Landverkauf – wie den bisherigen Raumschiffverkauf – auch als Unterstützungsaktion zur Finanzierung der Entwicklung ausschildert. Das eigentliche Land – wo auch immer dieses zu finden sein wird – könnten zudem alle Spieler erst dann für sich beanspruchen, wenn das Feature zur Verfügung gestellt wurde. Bedenkt man zudem, dass es laut den Entwicklern im virtuellen Universum nicht an Landmasse mangeln wird, gibt es eigentlich kaum noch Gründe, die Lizenzen tatsächlich für das eigentliche Land zu erwerben.

Featureflut und kein Ende in Sicht

Dass Cloud Imperium zu derartigen Finanzierungsmaßnahmen greift, wird von manchen Kritikern auch als Zeichen gewertet, dass die Entwicklung von "Star Citizen" trotz Rekordfinanzierung von mehr als 167 Millionen Dollar durch die Community ins Stocken geraten ist. Immer wieder kamen Vorwürfe auf, wonach sich die Entwickler rund um Chris Roberts mit einer stetig wachsenden Feature-Liste übernehmen würden. Alle paar Monate werden neue Mechaniken wie prozedural generierte Städte und auch die hier genannten Außenposten vorgestellt, deren Umsetzung noch in ferner Zukunft liegt.

Die andauernde Kritik an der vielfach verspäteten Entwicklung veranlasste Projektleiter Roberts zu der Aussage, dass "Star Citizen" der schlechteste Scam der Welt wäre, nachdem man das viele Geld schließlich dazu nutze, um Entwickler und die Produktion zu bezahlen. (zw, 30.11.2017)

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