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Wie die Fachhochschulen vom Zwerg zum Riesen werden sollen

4. Dezember 2017, 09:00

60 Prozent aller Studierenden sollen in Zukunft an FHs studieren, aktuell sind es 13 Prozent. Wann und wie genau dieser Shift gelingen soll, ist noch offen

Es ist ein Sprung, den man sich ob seines enormen Umfangs kaum vorstellen kann: Der Anteil an Fachhochschulstudierenden soll von aktuell 13 Prozent mittelfristig auf 30 Prozent und dann langfristig auf 60 Prozent steigen, wie es im vom letzten Wissenschaftsministerium präsentierten Strategiepapier "Zukunft Hochschule" unter anderem heißt. Dass sich an diesem Vorhaben auch mit der neuen Regierung nichts Grundlegendes ändert, davon ist auszugehen.

Erste Tranche an Plätzen

Ein kleiner Schritt in Richtung eines neuen Hochschul-Layouts sind 450 neue Studienplätze ab nächstem Studienjahr – 329 in Bachelorstudien, 121 in Masterstudiengängen: alle im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Schließlich würden auf diese Absolventen "goldene Jobs" warten, und es herrsche "quasi eine Jobgarantie", wie es Ex-Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) begründete.

Wie notwendig die 450 Plätze sind, lässt sich am Interesse ablesen: Viermal so viele Interessenten gebe es. Diese Plätze sind die erste Tranche von insgesamt 5000 neuen Studienplätzen, die mit den für den Ausbau der Fachhochschulen gewidmeten 100 Millionen Euro aus der Bankenabgabe entstehen sollen.

Auch das sind noch Peanuts, wenn man auf das langfristige Ziel schielt. Gelingen soll dieser Shift von den Unis an die Fachhochschulen vor allem durch den Abgleich der Studienangebote. Die Liste der Studien, die künftig an Fachhochschulen angeboten werden sollen, ist lang – von angewandter Informatik und Industrie 4.0 über Kommunikationswissenschaften, Agrarwissenschaften und Kombistudien wie Wirtschaft und Recht. Das klassische Jus-Studium bleibt in diesem Szenario nach wie vor an der Uni.

Eine Frage des Geldes

All diese Überlegungen werden von Vertretern beider Hochschultypen begrüßt. Natürlich nicht ohne den Nachsatz, dass alles eine Frage des Geldes sei. Die Fachhochschulen merken an, dass eine Überführung von Studienplätzen zu ihnen – etwa durch Zugangsbeschränkungen an Unis – eine mindestens zweijährige Vorlaufzeit, aber vor allem eine finanzielle Festlegung des Finanzministeriums benötige. Ausschließlich ein Türschild zu wechseln nach dem Motto "Heute Uni – morgen FH" werde nicht funktionieren, gab der neue Präsident der Fachhochschulkonferenz, Raimund Ribitsch, beim Antritt zu bedenken. Zusätzlich zu einer Summe pro besetzten Studienplatz – die an Fachhochschulen ja Realität ist – benötige man auch eine nachhaltige Forschungsfinanzierung sowie Mittel für Infrastruktur und strategische Entwicklung.

Und auch Mahrer selbst sagte diesen Sommer noch, dass es keinen genauen Zeitplan für die massive Aufstockung gebe – das hänge von der budgetären Ausstattung ab. Die hat nun der nächste für Wissenschaft zuständige Minister – oder die zukünftige Ministerin – in der Hand. Ribitsch wünscht sich jedenfalls, dass der anstehende Entwicklungs- und Finanzplan (2019 bis 2023) bereits in den ersten Monaten der neuen Regierung verhandelt wird.

Vonseiten der Fachhochschulkonferenz wird ein jährliches Plus von 1200 Anfängerplätzen gefordert, um überhaupt irgendwann in die Nähe der 30 Prozent zu gelangen. "Tatsächlich würde man mit diesen 1200 erst im Jahr 2025 auf 20 Prozent Studierendenanteil kommen – und das auch nur, wenn die Anzahl der Uni-Studierenden auf dem Stand von heute bleibt."

Und die Studierenden?

Aber auch abseits finanzieller Überlegungen zeigt sich, dass ein Abgleich bzw. eine stärkere Kooperation zwischen Unis und FHs sinnvoll wäre: Laut der aktuellsten Studienplatzfinanzierung (2015) gibt es an öffentlichen Universitäten 62 Prozent Anfänger, die aufgrund von Zugangsregelungen nicht im präferierten Studium sitzen. Da es an den Unis solche Beschränkungen bislang nur vereinzelt gibt, ist anzunehmen, dass sich unter diesen 62 Prozent viele abgelehnte FH-Studierende befinden. Dort sitzen nur halb so viele in einem anderen Studium wie ursprünglich geplant.

Aus Sicht der Studierenden wäre es wünschenswert, diese Werte zu reduzieren. Die Logik der kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung ist aber sowieso eine andere: Studienplätze werden demnach in den Bereichen gefördert, in denen man viele Jobs erwartet. (lhag, 4.12.2017)