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Glosse "Wortkunde": Nikolo

Glosse
3. Dezember 2017, 12:00

Der Nikolo gilt der FPÖ, so scheint's, als Bollwerk gegen den Untergang des Abendlandes

Ganz klar, da hat die Partei einen Nerv getroffen. "Der Nikolo darf nicht sterben!", forderte die FPÖ Niederösterreich diese Woche auf ihrer Gesichtsbuchseite. Welches Kind würde dem nicht zustimmen? Und wie zu allem bereit, prangte darüber das Antlitz des Landtagsabgeordneten Udo Landbauer, dessen ausbleibende Rasur wohl signalisieren soll: Zur Not holt er selbst die Nüsse aus dem Sack.

Hintergrund dieser Sorge ist natürlich eine noch viel größere: der Untergang des Abendlandes, den Ausländer als solche und Muslime im Besonderen vorantreiben würden. Der Nikolo gilt der FPÖ da, so scheint's, als Bollwerk. Und man versteht es. Mei, der Nikolo. Ein gütiger älterer Herr mit Vollbart, der Kindern ins Gewissen redet und sie mit Mandarinen, Schoko, Nüssen und dergleichen belohnt. Ein Prototyp der Güte und der Nachsicht, ein sanfter Pädagoge. Kurz: alles, wofür die FPÖ steht.

Neben seiner Vorbildwirkung ist der Nikolo Namensgeber vieler Künstler und Figuren der Zeitgeschichte. Denken wir an Nikolo Cave oder Nikolo Lauda. Auch Nikolo Knatterton kommt einem in den Sinn. Was zählte deren Wirken noch, wenn der Nikolo plötzlich tot umfiele? Wobei, da muss die FPÖ Niederösterreich jetzt stark sein, denn: Der Nikolo ist schon tot. Ja, tragisch, aber was soll man machen? Sein exaktes Geburts- und Todesjahr ist unbekannt. Die Historiker vermuten, dass er wahlweise 326, 345, 351 oder 365 gestorben ist. Immerhin, beim 6. Dezember als Tag seines Dahinscheidens sind sie sich einig, an dem erinnern wir uns seiner.

Mit vollem Namen hieß er Nikolaus von Myra. Myra war eine Stadt in Kleinasien, die heute Demre heißt und in der Provinz von Antalya liegt. Und das liegt in der Türkei. Der Nikolo ein Morgenländer! Das ist jetzt blöd, ein historischer Irrtum nachgerade, zumindest für manch einen Landbauern in Niederösterreich, der versucht, mit seiner fehlenden Bildung Stimmung zu machen. Doch Unwissenheit, das müsste in der FPÖ schmerzlich bekannt sein, schützt vor Strafe nicht. Geh, Krampus, erledig' du das. (Karl Fluch, 3.12.2017)