Neuer Satellit schickt schöne Bilder von scheußlicher Verschmutzung

1. Dezember 2017, 16:04

Sentinel-5P ist im Oktober gestartet und bereits am Datensammeln

Die farblich hervorgehobenen Schwefeldioxidemissionen hier im Bild gehen auf das Konto des Vulkans Agung auf Bali.
foto: ap/esa/dlr

Berlin – Der europäische Umweltsatellit Sentinel-5P hat nach seinem Start vor gut eineinhalb Monaten erste Bilder von bisher unerreichter Genauigkeit zur Luftverschmutzung auf der Erde geliefert. Es sei eine neue Dimension in der Daten-Qualität, sagte Josef Aschbacher, Direktor der Erdbeobachtungsprogramme der ESA.

An dem Projekt ist neben dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der ESA auch die Europäische Kommission beteiligt. Die Karten über die Verteilung von Spurengasen sollen erlauben, die Luftqualität präzise vorherzusagen und zu überwachen. Damit soll auch die Auswirkung des Klimawandels auf untere Luftschichten erforscht werden. Möglich wird das über ein neuartiges Spektrometer.

Von Kraftwerken verursachte Verschmutzungen sprenkeln diese Karte Indiens.
foto: ap/knmi/esa

"Die Messungen haben teils eine hundert Mal bessere Auflösung als alle vorherigen Satelliten", sagte der wissenschaftliche Leiter des Projekts beim DLR, Diego Loyola. "Das ist wichtig für Anwendungen, die mit Luftqualität zu tun haben. Man kann sehr präzise sagen, von wo die Verschmutzungen herkommen."

Die Forscher können unter anderem sehen, ob an bestimmten Orten besonders viel des speziell von Dieselmotoren ausgestoßenen Stickstoffdioxids vorhanden ist – und wo der Wind die Abgase hinträgt. Erste Bilder zeigten hier eine hohe Konzentration etwa über New York und Mexiko-Stadt. Zu sehen waren auch die dichte Ozonschicht über der Antarktis und die hohe Kohlenmonoxid-Konzentration über Städten, aber auch über Gebieten in Afrika, in denen Feuer wüten.

Hohe Stickstoffdioxid-Konzentrationen über den Niederlanden und dem Ruhrgebiet.
foto: ap/knmi/esa

Schwefeldioxid spielt nicht nur über Großstädten eine Rolle, sondern auch über Vulkanen. "Bei manchen Vulkanen, die nicht so aktiv sind, wird eine geringe Menge von SO2 ausgestoßen. Es wird dann immer mehr bis zum Ausbruch", sagte Loyola. Verbindet man dies mit Wetter- und Winddaten, können Prognosen für den Luftverkehr getroffen und dieser gezielter umgelenkt werden. Auch von dem Vulkan Agung auf Bali lieferte Sentinel-5P bereits Daten.

Der zum Copernicus-Programm zählende Sentinel-5P war am 13. Oktober an Bord einer russischen Trägerrakete abgehoben und auf einer polaren Umlaufbahn in 824 Kilometern Höhe ausgesetzt worden. Die Sentinel-Satelliten sollen Erdoberfläche, Temperatur, Atmosphäre und Wetter beobachten und Veränderungen dokumentieren. Das Programm wird aus dem EU-Budget und von der ESA finanziert. Die Daten sind kostenfrei einsehbar. Österreich gehört zu den wenigen Ländern, die bereits einen öffentlichen und kostenlosen Zugang zu den Daten der Sentinel-Satelliten eingerichtet haben. (APA, red, 1. 12. 2017)


Der Datenzugang "Sentinel National Mirror Austria" wurde im Vorjahr von der ZAMG umgesetzt.