Foto: Regine Hendrich

Rektorin Hanappi-Egger: Unis aus den 70er-Jahren holen

2. Dezember 2017, 14:00

WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger spricht sich gegen ein Bildungsministerium aus, in das die Universitäten integriert werden

Wien – Die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, Edeltraud Hanappi-Egger, spricht sich gegen ein Bildungsministerium vom Kindergarten bis zur Universität aus. "Ich bin kein großer Fan davon", sagt sie zum STANDARD. "Das trägt der Rolle der Universitäten nicht Rechnung." Universitäten seien Forschungseinrichtungen, auch die Lehre sei dazu da, wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden. "Wir sind keine Ausbildungsstätten, wie das Schulen sind." Sie appelliert an die Koalitionsverhandler von ÖVP und FPÖ, ein Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Innovation einzurichten.

Zum Thema Universitäten habe man bisher aus den Koalitionsverhandlungen generell zu wenig gehört. Mehr Geld und eine langfristige Finanzierung seien jedenfalls nötig. "Universitäten brauchen keine Stop-and-go-Politik."

Sie spricht sich für die Studienplatzfinanzierung aus, bei der vom Staat vorgegeben ist, wie viele Studienplätze pro Fach zur Verfügung stehen. Die Universitäten bekommen dann – wie schon jetzt die Fachhochschulen – eine bestimmte Summe pro Studienplatz.

Gegen das Rauspicken

Dass nach Forderungen ihres Kollegen Oliver Vitouch, Präsident der Universitätenkonferenz, nur über einzelne Maßnahmen diskutiert wird, kann Hanappi-Egger wenig abgewinnen. Vitouch hatte unter anderem verlangt, dass Universitäten prüfungsinaktive Studierende exmatrikulieren können sollen und dass die Zahl der Prüfungsantritte von vier auf drei reduziert wird. "Es macht einfach keinen Sinn, im universitären Kontext einzelne Maßnahmen rauszupicken und sie dann öffentlich zu diskutieren." Stattdessen brauche es eine Diskussion darüber, welche Aufgabe Unis haben sollen und welche Rahmenbedingungen sich daraus ergäben.

Hanappi-Egger: "Wir haben ein Modell, das aus den 70er-Jahren stammt und nie wirklich evaluiert und reflektiert wurde." Es brauche mehr Verbindlichkeit für die Studierenden. "Die derzeitige gesellschaftliche Vereinbarung lautet: Die universitäre Bildung ist ein öffentliches Gut und wird daher von der Öffentlichkeit finanziert. Wir gehen davon aus, dass Bildung zu einem besseren Job und damit zu mehr Steuern für den Staat führt und so das Gesellschaftsmodell mitfinanziert. Das ist der Deal."

Das sei ein schöner Zugang, es sei aber umgekehrt auch notwendig, dass Studierende im Umgang mit diesem Gut eine gewisse Sorgfaltspflicht hätten, diese fehle derzeit.

Studiengebühren, wie sie der Rechnungshof empfiehlt, sind für Hanappi-Egger nicht Teil dieses Modells. "Dann sage ich, Bildung ist eine Investition in das eigene Humankapital. Sie steigern ihren Mehrwert, also zahlen Sie es bitte."

Umso mehr hält die Rektorin von Aufnahmeverfahren. Auch aufgrund der Erfahrungen der Wirtschaftsuniversität. Seit 2013 ist der Zugang zum Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften durch eine Sonderregelung beschränkt, Wirtschaftsrecht darf ohne Aufnahmeprüfung studiert werden.

Mehr Selbstselektion

"Es ist nicht notwendigerweise eine Ausgrenzung, sondern sehr oft hat es einen Selbstselektionseffekt", sagt die Rektorin. Wenn ich von den Studierenden verlange, dass sie sich registrieren, 50 Euro Aufnahmegebühr zahlen und ein Motivationsschreiben verfassen, hat das den Effekt, dass sich die Studierenden intensiver mit ihrer Studienwahl auseinandersetzen. Das ist sehr begrüßenswert."

Im Studium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sei die Zahl der Studierenden, die keine Prüfung machen, von zwanzig Prozent auf fünf Prozent gesunken. Hanappi-Egger geht deshalb davon aus, dass die Notwendigkeit, untätige Langzeitstudierende zu exmatrikulieren, mit Aufnahmeverfahren nicht mehr bestehe.

Bessere Planbarkeit würde laut Hanappi-Egger auch die Einführung eines Teilzeitstudiums bringen. "Das wurde politisch bisher leider gar nicht aufgenommen." Derzeit müssen Studierende 16 ECTS – das sind im europäischen Hochschulraum vergleichbare Leistungspunkte – absolvieren, damit ihr Studium vom Ministerium als prüfungsaktiv und damit zum Unibudget gezählt werden. "Es gibt aber berufstätige Personen, die weniger ECTS machen. Diese zählen aus der Sicht des Ministeriums nicht."

Dabei müssten Universitäten auch für prüfungsinaktive Studierende Ressourcen in der Verwaltung zur Verfügung stellen und: "Ich weiß nicht, ob sie nur ein Semester lang keine Prüfung machen und dann im nächsten plötzlich wiederkommen. Wir müssen dann relativ schnell zusätzliche Kurse zur Verfügung stellen." Ein Teilzeitstudium würde den Studierenden die Kombination mit dem Job erleichtern und bessere Planbarkeit für die Unis bringen, sagt die Rektorin. (Lisa Kogelnik, 3.12.2017)