Foto: Reuters/Alkis Konstantinidis

Megabauprojekt soll Griechenlands Krise lösen

4. Dezember 2017, 09:00

Athens alter Flughafen soll Europas größte Resortanlage mit Hotel und Strand werden. Das könnte der gesamten Wirtschaft auf die Beine helfen

Als die Archäologiekommission eine neue Schutzzone auf dem Baugebiet entdeckte, riss den Investoren der Geduldsfaden. Die Vertragsbedingungen seien unerwartet geändert worden, klagte die Immobiliengesellschaft Lamda. Die griechische Sage vom größten Bauprojekt des Landes geht damit weiter: Spiros Latsis, der reichste Mann Griechenlands und Mehrheitseigner von Lamda, ringt mit der linksgeführten Regierung.

Acht Milliarden Euro Investitionen und 75.000 Jobs sind für die Neubebauung des riesigen Brachlands im Süden Athens, auf dem der alte Flughafen Hellenikon lag, vereinbart, unterschrieben, vom Parlament ratifiziert. "Wenn dieses Projekt kommt, ist die Krise in Griechenland vorbei", sagt der österreichische Wirtschaftsdelegierte Gerd Dückelmann-Dublany. Eine Investition von solcher Größe und Symbolik werde Wellen schlagen. Wenn die griechischen Unternehmern sehen, dass auf Hellenikon die Bagger rollen, würden sie Selbstvertrauen fassen und selbst mit ihren Projekten vorangehen, glaubt der Wirtschaftsdelegierte.

620 Hektar

16 neue Bedingungen stellte die Regierung im Vormonat der Investorengruppe von Lamda, dem chinesischen Konglomerat Fosun und Eagle Hills in Abu Dhabi. Es geht vor allem um die Höhe von Büro- und Wohntürmen. Die Archäologen des Kulturministeriums wollten es so und grenzten ein neues Schutzareal auf dem 620 Hektar großen Baugelände ab.

Weder beim Bau des Flughafens noch später, nach der Stillegung, bei der Errichtung von Sportstadien für die Olympischen Sommerspiele 2004 war den Experten aufgefallen, dass es auf dem Gelände noch eine zweite potenzielle Stätte von "archäologischem Interesse" geben könnte. Die erste ist bereits im Bauplan berücksichtigt. Hellenikon soll Europas größte Resortanlage am Meer werden, komplett mit Hotel, Kasino, Konferenzhallen, Yachthafen und einem – so versichern die Investoren – für die Öffentlichkeit frei zugänglichen Strand. Der größte Teil des alten Flughafengeländes ist als Stadtpark geplant.

Positive Zahlen

Dass Lamda und seine Partner am Ende aufgeben, scheint kaum denkbar. Zu groß ist auch der Druck der europäischen Kreditgeber auf die griechische Regierung. Nach acht Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise steht das Land zudem an der Schwelle zur Wende: Die Anzeichen für einen Turnaround sind endlich da. Die meisten makroökonomischen Zahlen sind positiv, auch wenn Arbeitnehmer und Pensionisten mit ihren geschrumpften Einkommen noch kaum etwas davon spüren.

Griechenlands Exportgeschäft hat angezogen – mit 5,1 Prozent Plus oder 108 Millionen Euro im ersten Halbjahr spürbar auch bei den Einfuhren nach Österreich – und hauptsächlich angetrieben durch den Absatz von Generika, Aluminium- und Landwirtschaftsprodukten. Der Bausektor verzeichnete bisher übers Jahr ein Plus von neun Prozent im Vergleich zu 2016. Der Konsum der privaten Haushalte nimmt nur leicht zu, doch die Zahl der Arbeitslosen sinkt stetig: von 921.800 im August auf 886.000 im September und – trotz Endes der Touristensaison – 824.500 im Oktober. Mit rund 20 Prozent hat Griechenland gleichwohl die höchste Arbeitslosenrate aller OECD-Länder. Nach möglicherweise 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr – weniger, als die Regierung erhoffte – werden 2018 2,5 Prozent Plus erwartet.

Businessforum in Wien

Einen kurzen Aufschwung gab es in Griechenland schon einmal Anfang 2014 unter der von dem Konservativen Antonis Samaras geführten Koalitionsregierung. Gehalten hat er nicht. Dieses Mal jedoch sind die Voraussetzungen anders, so sagt Gerd Dückelmann-Dublany. Der Großteil der Vorgaben der Kreditgeber seien nun umgesetzt. "Diese linksgeführte Regierung hat die Überprüfung durch die Geldgeber abgeschlossen. Samaras konnte es nicht", stellt der Wirtschaftsdelegierte fest. Die laufende dritte und letzte Überprüfung wird als wenig problematisch eingeschätzt.

Zudem hat sich Griechenland mit seinen internationalen Geldgebern am Wochenende auf weitere Reformen geeinigt, die die Grundlage für die Auszahlung weiterer Hilfsgelder sein könnten. Geben die Eurofinanzminister am Montag ihr Okay, könnten fünf Milliarden Euro an Krediten aus dem 86 Milliarden Euro umfassenden dritten Hilfsprogramm fließen.

Die Lamda-Gruppe wird auch beim Österreich-Griechenland-Businessforum der Wirtschaftskammer am Dienstag in Wien auftreten und ihr Bauprojekt vorstellen. Für österreichische Unternehmen ist bei Hellenikon einiges drin. (Markus Bernath, 4.12.2017)