Foto: Andreas Proschofsky / STANDARD

"Gefährlicher" Raspberry Pi: Anti-Piraterie-Kampagne warnt vor Minirechner

3. Dezember 2017, 10:23

Könnte für Piraterie-Streams eingesetzt werden – Kampagne gegen Streaming-Boxen mit zweifelhafter Ausrichtung

Anti-Piraterie-Kampagnen sind nicht gerade für ihre Subtilität bekannt. In der Mission die Nutzer vom Bezug nicht-autorisierter Kopien abzuhalten, greifen die Mache dabei gerne mal zu eher umstrittenen Methoden – und zu einer oftmals reichlich "kreativen" Auslegung von Fakten. Ein neues Beispiel hierfür liefert jetzt die von Hollywood finanzierten "Digital Citizens Alliance", wie Torrentfreak berichtet.

Pi

In einem Clip der Anti-Piraterie-Organisation sollen eigentlich die Gefahren von Set-Top-Boxen mit integriertem Zugriff auf nicht-autorisierte Quellen abgekanzelt werden. Doch was dann tatsächlich zu sehen ist, wird so manche Zuseher verblüffen: Hat man sich hierfür doch ausgerechnet die grafische Nachbildung eines Raspberry Pi vorgenommen. Dieser – so die augenscheinliche Botschaft – sei ein zweifelhaftes Gerät, mit dem man sich Malware aller Art einfangen würde.

Der Clip der "Digital Citizens Alliance"
digital citizens alliance

Basteln

Zwar ist es fraglos, dass sich auch über den Minirechner Inhalte aus fragwürdigen Quellen beziehen lassen – das trifft aber für jeden beliebigen Computer zu. Der primäre Einsatz des Minirechners ist, nicht zuletzt auch aufgrund seiner einfachen Erweiterbarkeit und seines niederigen Preises, vor allem bei Bastlern zu finden. Auch in Schulen erfreut sich der mittlerweile mehr als 15 Millionen mal verkaufte Computer einer gewissen Popularität.

Kampagne

Vollständig überraschend kommt das Video allerdings nicht: Erst unlängst mussten sich die Entwickler des freien Media-Centers Kodi mit einer Kampagne des britischen Boulevards gegen ihre Software auseinandersetzen, die fast durchgängig mit Fotos des Raspberry Pi illustriert war.

Der Blick zurück

Gegen früherer Antipirateriekampagnen ist all das aber fast schon freundlich gestaltet. So sorgte etwa vor einigen Jahren die deutsche Initiative "Raubkopierer sind Verbrecher" für einige Aufregung, deren Tiefpunkt ein Spot namens "Frischfleisch" war, indem den Downloadern recht unverblümt Vergewaltigung im Gefängnis angedroht wurde. (red, 3.12.2017)