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Die ÖVP erstrahlt in allen Farben, Türkis ist noch die Ausnahme

4. Dezember 2017, 07:00

Landesparteien wollen sich nicht dem Farbdiktat der Bundespartei beugen und beharren auf ihrem eigenständigen Auftreten

Wien – Die "neue Volkspartei" unter ihrem Chef Sebastian Kurz ist türkis. Zumindest teilweise. In den Ländern erstrahlt sie in den jeweiligen Landesfarben. Während in Wien die Türschilder ausgetauscht wurden, gibt es bundesweit kein einheitliches Branding. Ganz so leicht lassen sich die neun Landesparteien offenbar doch nicht unter eine Markenpolitik zwingen.

Der Volkspartei in Wien unter ihrem Chef Gernot Blümel, einem der engsten Vertrauten von Kurz, ist das Bemühen zumindest nicht abzusprechen. Die Website wurde einem Relaunch unterzogen, den türkisen Farbton der Bundespartei hat man aber nicht hinbekommen. Das Wiener Türkis ist deutlich dünkler als das Bundes-Türkis und changiert ins Graue. Im Logo finden sich die Wiener Landesfarben Rot und Weiß.

Keine Spur von türkis

Niederösterreich? Darauf gab Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll im STANDARD-Interview eine klare Antwort: Nicht schwarz und nicht türkis, sondern gelb-blau sei die Volkspartei auch unter seiner Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner. Von türkisen Tupfern fehlt in St. Pölten jede Spur.

In Wien stehen in der Parteizentrale bereits selbstbewusste türkise Wände herum, aber noch ist die Volkspartei nicht überall neu. Die Länder wollen im Erscheinungsbild eigenständig bleiben.
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Die Farben der steirischen Volkspartei sind wie eh und je Weiß-Grün – die offiziellen Landesfarben. "Und dabei wird es auch bleiben", sagt ÖVP-Landesgeschäftsführer Detlev Eisel-Eiselsberg, auch wenn die Bundespartei ihr farbliches Erscheinungsbild ändere. Der in der Bundespartei nun aktuelle Name "die neue Volkspartei" findet sich jedenfalls in keinem Logo der steirischen Landespartei. Auch hier steht wie in den anderen Bundesländern einzig der Landesbezug vor der Parteibezeichnung, eben "Steirische Volkspartei".

Keine Ein-Firmen-Theorie

"Wir waren immer die Steirische Volkspartei und werden das auch bleiben. Es hat nie ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben, keine Ein-Firmen-Theorie, und das soll auch so bleiben", sagt Eisel-Eiselsberg.

Auch die Kärntner ÖVP bleibt die Kärntner ÖVP, farblich gelb dominiert, wenn auch Landesgeschäftsführer Josef Anichhofer meint, man habe ohnehin die ursprünglich gelb-schwarze Parteifarbe in Gelb-Türkis geändert. Auf der Website der Landespartei ist allerdings nur ein Gelb-Grau daraus geworden.

Der Markenprozess wurde in Wien rasch umgesetzt, auch die Türschilder wurden ausgetauscht: Türkis ist das neue Schwarz.
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Föderales Selbstbewusstsein

Die Volkspartei Vorarlberg bleibt gelb-schwarz. Eine Umfärbung sei nicht geplant, sagt Geschäftsführer Dietmar Wetz und begründet: "Das hat aber nichts mit gegen oder für die Bundespartei zu tun, sondern mit Selbstbewusstsein." Die ÖVP sei föderal strukturiert. "Wir waren immer schon selbstständig, egal wie gut oder schlecht es der Bundespartei gegangen ist", sagt Wetz. Auch den Namen Vorarlberger Volkspartei werde man behalten. Gefeilt wird vor allem am Social-Media-Auftritt, "da werden wir noch stylen müssen".

In Oberösterreich bleibt die ÖVP gelb. "Gelb ist die Farbe des Oberösterreich-Adlers im Landeswappen, Gelb ist von jeher auch die Farbe der ÖVP in Oberösterreich. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern", stellt Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer klar.

Eigenes Ding

In Salzburg bleiben die Schwarzen schwarz. Die Salzburger ÖVP ist beispielsweise seit über 40 Jahren als eigenständige Partei im Innenministerium angemeldet. Das sei damals eine Mischung aus "Drohgeste" gegen den Bund und "viel Selbstbewusstsein" gewesen, erzählt Landesparteigeschäftsführer Wolfgang Mayer im Gespräch mit dem STANDARD. Die Salzburger werden wohl auch weiterhin ihr eigenes Ding machen: Die Statuten der Partei werden auch nach dem Umsturz in der Bundespartei nicht geändert, heißt es.

Die burgenländische ÖVP beteuert zwar, innerlich schon ganz türkis zu sein, nach außen hin bleibt aber alles gelb dominiert. (red, 4.12.2017)