Zerfall der Rebellenallianz: Krieg im Krieg im Jemen

Kommentar |
3. Dezember 2017, 18:07

Der Verlust ihres Alliierten Saleh könnte dazu führen, dass sich die Huthis mehr dem Iran zuwenden

Seit Monaten wuchsen die Spannungen, am Wochenende ist die jemenitische Rebellenallianz zwischen den Huthis und dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh wohl endgültig zerbrochen. Berichte aus der Hauptstadt Sanaa, die seit Herbst 2014 von den Rebellen kontrolliert wird, ließen jedoch zuerst einmal Hoffnung auf eine Wende zu, die erstmals wieder der Diplomatie eine Chance geben und letztlich den Krieg beenden könnte.

Die Theorie: Saleh erweist sich in einer gewaltsamen Konfrontation mit den Huthis als der Stärkere. Er bietet Saudi-Arabien, das seit 2015 den Kampf gegen die Rebellen anführt, Gespräche an. Worauf die Saudis den Luftkrieg einstellen und die Blockade des Jemen aufheben. So weit die Hoffnung.

Auch wenn es empörend wäre, wenn der Machtmensch und Langzeitherrscher Saleh in diesem schrecklichen Krieg, den er mitverursacht hat, auf der Gewinnerseite aussteigt und sich als Retter stilisieren kann: Die humanitäre Katastrophe im Jemen macht es heute notwendig, jeden Strohhalm zu ergreifen, der der Rettung von Menschenleben dienen könnte. Millionen sind nicht nur von den Kämpfen – die von allen Seiten ohne Rücksicht auf Zivilisten geführt werden -, sondern auch von Krankheit und Hunger bedroht.

Aber am Sonntag schien sich das Blatt ohnehin schon wieder zuungunsten Salehs zu wenden, und die Huthis gewannen Positionen zurück. Die große Mobilisierung in diesem neuen Krieg im Krieg könnte aber noch bevorstehen, denn erst langsam formieren sich die Anhänger beider Seiten. Beide werden nicht so schnell aufgeben. Und Saudi-Arabien intensiviert einstweilen seine Angriffe in Sanaa. Denn nach dem langen Stillstand in diesem Krieg sieht Riad einen Sieg gegen die Huthis, die als Stellvertreter des Iran gesehen werden, plötzlich wieder in Reichweite.

Aber das könnte sich als Illusion erweisen. Der Verlust ihres Alliierten Saleh könnte dazu führen, dass sich die Huthis mehr denn je dem Iran zuwenden – und Teheran den Huthis: Bisher war das Verhältnis ja eher pragmatisch denn ideologisch. Und die Huthis würden ihr Gewicht zu vergrößern versuchen, indem sie ihren Raketenkrieg immer mehr ins Zentrum Saudi-Arabiens und in die Vereinigten Arabischen Emirate tragen. Mit allen möglichen Konsequenzen: Bevor es besser wird, könnte es im Jemen also noch viel schlimmer werden. (Gudrun Harrer, 4.12.2017)