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Wohin mit Ö1, welcher neue Vorstand Styria mobilisieren soll: Die Etat-Wochenschau

4. Dezember 2017, 07:00

Sitzkompressoren für die Medienwelt: Aus 15 mach drei in der ORF-Regie, virtuelle Studios – und Hämmerles 90 Prozent bei der "Wiener Zeitung"

1. Ein Sitzkompressor für die Styria

Es sieht so aus, als bekäme einer der größten Verlagskonzerne Österreichs demnächst einen neuen Vorstand. Am 12. Dezember tagt wieder der Aufsichtsrat der Styria Media Group unter seinem den Konzern prägenden Vorsitzenden Friedrich Santner. Der ist im Hauptberuf Boss eines Grazer Mess- und Analysetechnologieunternehmens von Weltgeltung namens Anton Paar GmbH.

Nach Santners Ermessen braucht der noch immer große österreichische Regionalmedienkonzern einen neuen Technik- oder Technologievorstand, heißt es in der Styria. So soll nun nach meinen bisher unbestätigten Informationen Bernhard Kiener Mitte Dezember auf die Brücke des Mutterschiffs von "Kleine Zeitung" und "Die Presse" geholt werden.

Kiener leitet den Grazer Automobilzulieferer Ventrex Automotive GmbH, der mit 150 Mitarbeitern im Inland offenbar erfolgreich Kompressoren und Ventile herstellt. Zum Beispiel Kompressoren, die Autos statt Ersatzreifen für Reifenpannen an Bord bekommen. Oder Ventile für Gastanks, wie Kiener, damals noch als Verkaufsleiter von Ventrex geführt, 2012 einem Fachmedium erklärte.

Wird als künftiger Styria-Vorstand gehandelt: Bernard Kiener, derzeit Geschäftsführer des Grazer Automobilzulieferers Ventrex, auf dessen Webseite (links).
foto: screenshot ventrex

Aktuell nennt die Unternehmensseite CNG-Komponenten – Druckregler und Sicherheitstankventile etwa – sowie Sitzkompressoren und Reifenkompressoren als Produkte, zudem Klimaventile. Vieles davon klingt, als könnte es auch die Styria brauchen. Kontakversuche und Anfragen zum Jobwechsel brachten am Wochenende keine konkreten Ergebnisse.

Was Ventrex so – und offenbar recht erfolgreich – tut.
foto: screenshot ventrex

Unter Aufsichtsratschef Santner wurde dessen bisheriger Styria-Ratskollege Markus Mair 2013 Vorstandsvorsitzender, er leitete zuvor als Generalsdirektor die Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Anfang 2016 kam Kurt Kribitz, ursprünglich Druckspezialist, als Vorstand für die Dienstleistungsbereiche des Konzerns dazu, wie die Styria damals verlauten ließ. Kribitz gilt als enger Vertrauter Santners. Es würde überraschend, hätte nicht auch Kiener guten Kontakt zu den Santners.

Auf der Styria-Brücke steht derzeit neben Mair und Kribitz zudem Langzeitvorstand Klaus Schweighofer, dessen bisheriger Vorstandsvertrag bis Ende 2017 laufen dürfte. Über seine künftige Tätigkeit ist Vielerlei aus der Styria zu hören. Zum Beispiel: Er solle sich künftig allein um die "Kleine Zeitung" kümmern. In deren Management ändere sich nichts, halten Menschen dagegen, die darüber Bescheid wissen sollten. Andere sagen: Er werde sich auf Auslandsaktivitäten konzentrieren – bisher ist die Styria Zeitungsmarktführer in Kroatien – und auf die Marktplatzportale wie Willhaben.at oder Njuškalo in Österreich, Kroatien und Slowenien. Schweighofer war ab 2005 schon Vorstand der Tochter Styria Media International AG und führt deren Geschäfte bis heute, inzwischen ist sie eine GmbH.

Diese Illustration (Ausschnitt) hing schon 2014 am Bauzaun für das neue Styria-Hauptquartier gegenüber der Grazer Messe. Übrigens nur 15 Gehminuten oder drei Autominuten von Kieners aktuellem Büro bei Ventrex.
foto: fidler

2. Sitzkompression in der "Wiener Zeitung"

Die Redaktion der "Wiener Zeitung" stimmte am Freitag gemäß Redaktionsstatut über ihren neuen Chefredakteur ab. Auch wenn der vorerst nur interimistisch tätig ist, seit Reinhard Göweil im Oktober recht rasch gehen musste. Mit Zweidrittelmehrheit könnten die Mitarbeiter der "Wiener Zeitung" einen neuen Chefredakteur ablehnen. Doch Walter Hämmerle bekam beinahe 90 Prozent der Stimmen. Das Votum ist wohl auch ein Signal für die definitive Besetzung des Führungsjobs im republikseigenen Blatt, die dem nächsten Bundeskanzler oder Kanzleramtsminister für Medien zukommt.

Hämmerle war bisher Vize-Chefredakteur unter Göweil (auch um die Sitzkompression im Zwischentitel zu erklären). 1998 bis 2000 war er politischer Referent der ÖVP Wien und 2000/2001 stellvertretender Landesgeschäftsführer der Wiener Volkspartei, zuständig für die tagespolitische Koordination der Abteilungen Politik, Presse und Organisation. 2002 kam er als Redakteur zur "Wiener Zeitung". Also Jahre, bevor unter Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) Andreas Unterberger dort 2005 Chefredakteur wurde und bevor Göweil unter Kanzler Werner Faymann (SPÖ) Unterberger 2009 ablöste.

3. Sitzkompression in der ORF-Technik

Recht drastische Plänen zur Sitzkompression könnten die Betriebsversammlung der ORF-Technik vorigen Montag zum Hochdruckventil gemacht habenderStandard.at/Etat berichtete recht ausführlich, wie Betriebsräte und Belegschaft da im ORF-Atrium Dampf abließen in Richtung Technikdirektor Michael Götzhaber.

In einem internen Rundmail findet sich ein Name, wer für den Überdruck maßgeblich verantwortlich ist: James werden dort weitgehend automatisierte Regieplätze genannt. Und die könnten, so jedenfalls das Betriebsratsrundmail, aus derzeit 15 für eine "Zeit im Bild" eingesetzten Technikern künftig nur noch drei machen. Und: Der ORF soll wieder einmal sehr ernsthaft an virtuelle Studios denken – ein Drohszenario für die Ausstattung, auch Teil der ORF-Technik.

4. Ein neuer Sitzplatz für Ö1 auf dem Küniglberg

Hallen und Werkstätten der Ausstattung auf dem Küniglberg braucht der ORF nun für andere Abteilungen. Weil der geplante Zubau für Programmmitarbeiter nicht mehr mit absehbarer Flächenwidmung rechnen kann, arbeiten der ORF und sein oberster Bauprojektmanager Pius Strobl ja schon eine Weile am "Plan B" für den Küniglberg. In bisher von der Ausstattung genutzten Kubaturen des ORF-Zentrums könnte etwa doch noch ein multimedialer Newsroom entstehen.

Im März sollen die ORF-Stiftungsräte den Plan B beschließen – in der wohl letzten Sitzung vor Ablauf ihrer Funktionsperiode, bevor die türkisblaue Mehrheit dort richtig groß wird. Schon zur jüngsten Sitzung aber fand sich in den Unterlagen für die ORF-Räte auch ein Plätzchen für Ö1 auf dem Küniglberg – dessen Mitarbeiter weiter hoffen, sie könnten im weit zentraleren Funkhaus in der Argentinierstraße bleiben. Sie mobilisieren in den vergangenen Wochen vor allem gegen eine Teilung der Mannschaft – die aktuelle Hörfunkinfo soll ja nach bisherigen Plänen jedenfalls auf den Hietzinger Hügel.

Nach der jüngsten Sitzung des Stiftungsrats sagte ORF-Chef Alexander Wrabetz aber, auf Ö1 und dessen künftigen Standort angesprochen: "Der Plan B soll eine Gesamtkonsolidierung ermöglichen." Für Ö1 sehen die Unterlagen offenbar einen Platz ganz hinten, bei den Satellitenschüsseln vor, wo Werkstätten stehen und zudem eine ungenützte Widmungsreserve warten soll – gleich gegenüber dem großzügigen öffentlichen Westernspielplatz in der Elisabethallee, kurz bevor sich die um das ORF-Areal scharf nach links krümmt und zur Würzburggasse wird. Auf Google Maps sieht die Ecke des ORF-Zentrums so aus:

Wo Ö1 seinen Platz auf dem Küniglberg finden könnte.
foto: google maps

5. Worte der Woche

"Profil" bereicherte meine Wochenendlektüre um ein Interview mit dem Kölner Medienanwalt (und etwa Kachelmann-Verteidiger) Ralf Höcker, der Wirtschaftschef Michael Nikbakhs in der Kanzlei von Grasser-Anwalt Manfred Ainedter erklärte, was in der Berichterstattung österreichischer Medien über Buwog und Grasser falsch laufe.

Ein gediegenes Zitat daraus verweist auf Höckers Sicht der Kundschaft seiner Berufsgruppe:

Medienanwalt Höcker in "Profil": "Ich habe einen Berufskollegen, der sagt, er macht keine Sekten, keine Nazis, keine Extremisten, keine Terroristen, keine Bekloppten. Im Presserecht bleibt da nicht mehr viel übrig."
foto: faksimile "profil"

6. Markencheck der Woche

Am Donnerstag entscheidet der EU-Gerichtshof, ob der syrische Getränkehersteller Mitico seine – auch für alkholfreie Getränke angemeldete – Marke "Master" ein bisschen zu schwungvoll an jene von Coca Cola angelehnt hat. Der Getränkeriese aus Atlanta sieht das so. Das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum wies Coca Cola schon zweimal ab. Und so sieht die syrische Marke laut Verfahrensunterlagen aus.

Zu nah an Coca-Cola, findet Coca-Cola. Am Donnerstag entscheidet der EU-Gerichtshof.
foto: eurolex

Coca-Cola-Konkurrent Red Bull kam zuletzt beim EUGH gegen blau-silberne Konkurrenz nicht durch. (Harald Fidler, 4.12.2017)

Die Etat-Wochenschau ist eine sehr subjektive Auswahl und Interpretation anstehender Ereignissen in der – vor allem österreichischen – Medien- und gelegentlich auch Werbebranche. Wie sich die Prognosen in der Medienrealität materialisieren, lesen Sie so rasch wie möglich auf derStandard.at/Etat.