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Wien will Gebühr für Radverleiher einführen

4. Dezember 2017, 10:07

Um die chaotischen Zustände bei Billigleihrädern und die Kosten der Stadt in den Griff zu bekommen, könnte es bald Gebühren geben

Wien – Innerhalb kürzester Zeit haben sie sich zu einem Teil des Wiener Stadtbilds entwickelt: die gelben Leihfahrräder der asiatischen Anbieter Ofo und Obike. Kaputte oder weggeworfene Räder verursachen der Stadt immer wieder Kosten.

Verkehrsexperten und Juristen schlagen nun eine Gebühr für die Anbieter vor, berichtet orf.at. Vorbild dafür sei die US-Stadt Seattle, sagt der Wiener Radbeauftragte Martin Blum: "Hier gibt es ein Modell, dass pro Fahrrad, das auf die Straße gestellt wird, eine relativ kleine, aber doch eine Abgabe zu entrichten ist, um Kosten, die der Stadt entstehen, abzudecken."

Blum stellt zusätzlich einen verpflichtenden Servicestandard in den Raum. Kaputte oder falsch abgestellte Fahrräder müssten dann beispielsweise innerhalb von zwei Stunden von den Anbietern entfernt werden. "Ansonsten wird das von der Stadt abgeschleppt, und dann entstehen entsprechend Kosten für die Anbieter", erklärte der Radbeauftragte im Interview mit "Wien heute".

26 Räder aus Donaukanal gefischt

Allein am vergangenen Freitag hat Viadonau, ein Unternehmen des Verkehrsministeriums, 26 gelbe Leihräder aus dem Donaukanal gefischt. Auch Gehsteige und Fahrradständer werden immer wieder von kaputten Leihrädern blockiert. Die bereits lang etablierten Citybikes haben hingegen eigene, fixe Verleihstationen, das ist beim chinesischen Anbieter Ofo und der Firma Obike aus Singapur nicht der Fall.

An die 1.500 Räder stehen von Ofo und Obike in Wien derzeit zur Verfügung. Einen Einblick in die Benutzerzahlen haben lediglich die Betreiber selbst. Laut orf.at könnte sich auch das bald ändern. Über eine Datenschnittstelle mit den Anbietern möchte die Stadt einen Überblick bekommen, wie stark die Räder frequentiert werden.

Maßnahmen ab Frühjahr 2018

Im Rathaus werden die Vorschläge von den politisch Verantwortlichen jetzt geprüft. Laut Blum sind diese gesprächsbereit. Läuft alles nach Plan, sollen die Maßnahmen im Frühling 2018 in Kraft treten.

Auch die Anbieter selbst versuchen bereits die Probleme in den Griff zu bekommen. Obike hat etwa Infosticker, ein Bonus-Malus-System und eine Hotline angekündigt. Die Sticker verweisen auf eine Hotline, bei der Räder gemeldet werden können, wenn sie kaputt sind oder Wege blockieren. Ein zweiköpfiges Serviceteam kümmert sich um derartige Fälle. (red, 4.12.2017)