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Pornhub: Riesige Fundgrube für die Wissenschaft

4. Dezember 2017, 10:17

Das Portal sitzt auf einem enormen Datenberg – Auswertung kann auch negative Konsequenzen zeitigen

Mussten sich Pornografie-Konsumenten früher zu einem Gang in die nächste einschlägige Videothek oder zum Kauf eines entsprechenden Magazins durchringen, können sie heute Videos und Bilder diskret auf Computer oder Smartphone ansehen. Davon profitiert nicht nur die Pornoindustrie, die Seiten bergen auch einen enormen Datenschatz, der interessante Einblicke in die Gedankenwelt der Nutzer gibt.

75 Millionen Visits am Tag

Die größte aller Pornoseiten ist Pornhub. Sie war laut Alexa-Ranking Anfang Dezember die Nummer 37 der weltweit am meisten besuchten Websites. Nach Angaben der Betreiber kommt die Seite auf 75 Millionen Visits am Tag, zehn Millionen Nutzer sind registriert. Im Mai feierte das Unternehmen sein zehnjähriges Jubiläum. In diesen zehn Jahren konnte man viel über die Vorlieben der Nutzer herausfinden. "Die Daten aus dem Pornoimperium sind eine Goldmine für Soziologen", schreibt der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe.

Spannend ist dabei unter anderem, wie aktuelle Ereignisse die Suche auf dem Portal beeinflussen und so auch einen Einblick gewähren, wie die Pornokonsumenten ticken. So gab es etwa nach den Berichten über eine angebliche Orgie mit Donald Trump in einem Hotel in Moskau einen Anstieg der Suchanfragen nach "Golden Shower". Ende November gab Prinz Harry seine Verlobung mit Meghan Markle bekannt. Die Suchanfragen auf der Seite nach der US-Schauspielerin stiegen damit innerhalb eines Tages um 2.208 Prozent an. Auch Naturereignisse haben eine Auswirkung auf den Pornokonsum der Nutzer. So gab es etwa im Oktober einen merkbaren Anstieg an Videoviews, als Hurrikan Ophelia über die Grüne Insel hinwegfegte.

Pornhub hat für diese Einblicke sogar eine eigene Seite eingerichtet, auf der regelmäßig Statistiken veröffentlicht werden. DER STANDARD fragte die Betreiber im Sommer 2016 nach Daten der österreichischen Nutzer und bekam bereitwillig Auskunft. Zu den Topkategorien zählten hier etwa Begriffe wie Mature, Lesbian und Teen. Durchschnittlich verbringen österreichische Nutzer knapp neun Minuten auf der Seite.

Vorsicht mit dem Datenschatz

Mit seinem enormen Traffic und Datenschatz nimmt Pornhub eine Schlüsselposition im Netz ein. Und das kann auch kritisch werden. In Großbritannien etwa könnte der Betreiber in Zukunft entscheiden, wer Pornos schauen darf und wer nicht. Im April hat die Regierung beschlossen, dass Websites mit pornografischen Inhalten das Alter ihrer Besucher kontrollieren müssen. Für diese Kontrollen soll ein Regulator installiert werden – und das könnte das Unternehmen Mindgeek werden, das hinter Seiten wie Pornhub, Redtube oder Youporn steht. Datenschützer warnen davor, dass das Unternehmen dadurch zu viel Macht bekäme und Inhalte zensieren könnte.

Pornhub geriet davor im Oktober zuletzt ins Visier der Datenschützer. Denn die Plattform plant, seine Videodatenbank mit einer Gesichtserkennungstechnologie zu scannen. Das soll eine bessere Kategorisierung bringen. Kritiker warnen allerdings vor einer Art Nacktdatenbank, bei der nicht zwischen Amateuren und Profidarstellern unterschieden werde. Oft würden auch private Videos auf Pornoseiten hochgeladen, ohne Wissen und Zustimmung der abgebildeten Personen.

Eine Auswertung der Pornhub-Daten kann also einerseits interessante Erkenntnisse über Nutzer, diese aber auch in die Bredouille bringen. (br, 4.12.2017)