Griechische Wirtschaft verlor im Sommer kräftig an Schwung

4. Dezember 2017, 14:15

Steigende Exporte verhelfen dem krisengebeutelten Griechenland dennoch zu Wirtschaftswachstum, wenn auch zu langsamerem

Athen – Steigende Exporte haben der griechischen Wirtschaft in den Sommermonaten das dritte Quartal in Folge zu Wachstum verholfen. Allerdings fiel das Plus beim Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September mit 0,3 Prozent merklich geringer aus als in der ersten Jahreshälfte, wie das Statistikamt am Montag in Athen mitteilte.

Im zweiten Quartal hatte es noch zu einem Plus von 0,8 Prozent gereicht, zu Jahresbeginn zu 0,7 Prozent. Damit hinkt das unter einem hohen Schuldenberg ächzende Land dem Aufschwung in der Eurozone hinterher: Dort wuchs die Wirtschaft im abgelaufenen Vierteljahr mit 0,6 Prozent doppelt so schnell.

"Die Erholung geht weiter", sagte Eurobank-Chefvolkswirt Platon Monokroussos. "Weniger positiv ist allerdings, dass die Investitionen sehr schwanken und noch keinen überzeugenden Aufwärtstrend signalisieren." Die Exporte zogen um 5,0 Prozent zum Vorquartal an. Auch eine florierende Tourismussaison und höhere Staatsausgaben trugen das Wachstum. Dagegen investierten die Unternehmen weniger in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen.

Finanzhilfen wehrten Kollaps ab

Griechenland muss seit 2010 mit internationalen Finanzhilfen vor dem finanziellen Kollaps bewahrt werden. Das laufende dritte Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im August 2018 aus. Athen hofft, bis dahin das nötige Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewonnen zu haben, um sich wieder eigenständig Kapital beschaffen zu können.

Die EU-Kommission erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent, 2018 sollen es sogar 2,5 Prozent sein. Dann dürfte auch die Arbeitslosenquote zumindest etwas zurückgehen, die derzeit mit mehr als 20 Prozent so hoch ist wie in keinem anderen Euro-Land.

Auf weitere Reformen geeinigt

Griechenland und seine internationalen Geldgeber einigten sich am Wochenende auf weitere Reformen, die die Grundlage für die Auszahlung weiterer Hilfsgelder sein könnten. Die Vereinbarung umfasst zahlreiche Punkte, etwa Finanzfragen, Reformen am Arbeitsmarkt und im Energie-Bereich, den Umgang mit faulen Krediten und Privatisierungen. Die Euro-Finanzminister wollen sich noch am Montag mit dem Thema beschäftigen. Sollten sie die Vereinbarung billigen, könnten weitere fünf Milliarden Euro an Krediten aus dem insgesamt 86 Milliarden Euro umfassenden dritten Hilfsprogramm fließen. Griechenland hofft, dass es im August 2018 wie geplant auslaufen kann. (APA, 4.12.2017)