Neues Jobprofil: Trennungsmanager

5. Dezember 2017, 12:52

Konsolidierung und Umbau im Banken- und Finanzbereich: Akteure und Beraterinnen berichten

"Wir sind quasi ein umgekehrtes Start-up, wir bauen Strukturen zurück. Und hinter uns ist dann zunächst einmal das berufliche Nichts." Johann Garstenauer, Personalchef (HR) der Volksbanken-Abbaubank Immigon, macht einen ungewöhnlichen Job. Er baut Geschäftsfelder und Mitarbeiter ab, leert die Bilanz, um 2019 die Liquidation der Immigon einzuleiten, die 2015 aus der Stilllegung der ÖVAG zwecks Rettung der regionalen Volksbanken etabliert wurde. Er ist HR-Trennungsmanager.

Ein Berufsbild, sagt Personalberaterin Doris Hofmeister (Mercuri Urval), das sich derzeit verstärkt herausbilde. Nicht nur, aber auch angesichts der Konsolidierung im heimischen Banken- und Finanzbereich. Angesichts von Digitalisierung und Automatisierung erwartet Hofmeister steigende Nachfrage nach solchen Personalern, die individuelle Betreuung, Unterstützung und Begleitung können – auch in der seelsorgerischen Komponente inklusive aller Ängste, Befürchtungen, Lebensbrüche der Betroffenen.

Johann Garstenauer hat Anfang der 1990er-Jahre in der Erste Bank begonnen, war während der Finanzkrise "auf der anderen Seite", nämlich bei der Finanzmarktaufsicht, 2010 kam er schließlich zu den Volksbanken.

Altbekanntes Management nach Bullet-Points sei so oder so vorbei, sagt Agnes Mink, die etwa an der Restrukturierung – vielleicht besser: Weiterentwicklung – der Bank Austria beteiligt ist.

Neues Terrain

Eine große Umstellung für manche, die steile, hierarchische Führungsstrukturen gewöhnt sind, ist in jedem Fall ein Arbeiten mit Emotionen – ob es um Veränderungsbereitschaft, Abbau, Umbau, Fusion oder Drehen von Geschäftsmodellen geht. "Wer jetzt ins Emotionale investiert und sich damit auseinandersetzt, der wird gewinnen", ist Johann Garstenauer überzeugt.

Matthias Charwat, zuletzt bei Novomatic und seit drei Jahren im Bankenbereich, ist mit dem Zusammenführen von zwei Kulturen beschäftigt, nachdem im September die Hypo NÖ und Wien fusioniert wurden. Abteilungsbotschafter sind im laufenden Prozess dazu berufen, Erwartungen, Ängste und Befürchtungen sichtbar, hörbar und im besten Fall erfüllbar respektive lösbar zu machen.

Dass personeller Abbau nicht dramatisch erfolgt, klingt wie die gute Nachricht und nach Erleichterung, aber: "Die Cost-Income-Ratio ist ein Dauerthema", formuliert er die Rahmenbedingungen stellvertretend für viele. In jedem Fall sei die Basis solcher Prozesse, ob Change oder Abbau: Klarheit. Was am meisten belaste, seien Unklarheit und Ungewissheit.

Parallel zum Umstellen geht es auch um Neubauen: Als Arbeitgeber attraktiv sein für Junge, die laut Umfragen Banken und Finanzen nicht mehr unbedingt auf der Liste ihrer Traumjobs haben. Und wenn doch, dann eine Kultur zulassen, die Flexibilität, ein Führen auf Augenhöhe, Partizipation und auch eine andere Flexibilität zulässt. Alle praktisch unisono: Bedingungsloses Investment in eine Karriere ist nicht State of the Art.

Klare An- und Absagen

"Junge, gut ausgebildete Akademiker mit ein paar Jahren Berufserfahrung sind nicht mehr bereit, die ganze Woche im Flieger zu sitzen, es wird von Beginn an verhandelt und sehr klar gesagt, wie eine Work-Life-Balance aussehen soll." Charwat: "Durchhaltevermögen und Dranbleiben sehe ich nicht mehr besonders stark ausgeprägt." Mink: "Junge sind oft zu flexibel – nach einem Jahr soll es schon wieder etwas anderes, etwas Neues sein." Garstenauer ergreift Partei: Ja, es habe wohl eine gewisse Kurzfristigkeit Einzug gehalten, aber Junge seien es gewöhnt, in Projekten zu arbeiten – ob das freiwillig geschieht, geschehen ist, möchte er gern infrage stellen.

Aber es ist nun einmal, wie es ist, und die Talente, die gesucht werden, haben andere Ansprüche, als sich an "alte" Strukturen anzupassen oder sich ihnen zu unterwerfen. Zudem ist ja deutlich zu sehen, was mit diesen Strukturen gerade geschieht und wie brüchig Versprechen als berufliche Kontrakte sind. Also wieder: Sich mit Emotionen, Wünschen und Ängsten zu beschäftigen werde zentrale Fähigkeit von Personalverantwortlichen.

Compliance-Officers, Kapitalmarktjuristen – es ist ja auch einiges ausgeschrieben. Aber konkret: Wer wird gesucht? Mit den Worten der Personalberaterin Hofmeister: "Erfolg werden die haben, die adaptiv sind. Entscheidend ist, wer die Persönlichkeit hat, um sich auf Veränderungen einzustellen." (kbau, 5.12.2017)