Foto: Der Standard/Nora Laufer

So zeigen sich Österreicher auf Tinder: Bärte, Bier und Ziehharmonikas

5. Dezember 2017, 10:30

Auswertung von Profilbildern der Datingplattform bringt interessante Erkenntnisse – BMW beliebteste Automarke

Deutsche Männer, die über die Smartphone-App Tinder nach Partnerinnen suchen, präsentieren sich gerne ernst dreinblickend im Gatsch – oder in einer anderen Abenteuersituation. Diese und andere Schlüsse hat das Singlebörsenportal Zu Zweit – in Österreich unter singleboerse.at firmierend – auf Basis von 22 Millionen Profilbildern aus 16 Ländern gezogen, die man mithilfe künstlicher Intelligenz analysieren ließ.

Nun liegt auch die Auswertung für die österreichischen Damen und Herren vor, die den berühmt-berüchtigten Verkupplungsdienst verwenden. Auch die digitale Balz in der Alpenrepublik liefert interessante Ergebnisse.

Große Männer, viele Fotos

So sind die Österreicher im internationalen Vergleich motivierter, was das Hochladen von Fotos angeht. Hat der globale Durchschnittsuser vier Aufnahmen in seinem Profil, so sind es hierzulande fünf.

Der durchschnittliche "Tinder-Mann" ist 1,90 Meter groß, muskulös, dunkelhaarig und hat einen Bart. Frauen sind im Mittel 1,70 Meter groß und haben lange, braune Haare. Zu beachten ist allerdings, dass die Größenangaben den Profiltexten entspringen und davon auszugehen ist, dass diese vor allem größere Menschen nennen – denn der durchschnittliche Österreicher kommt auf 1,79 Meter.

BMWs und Harmonikas

So mancher bzw. manche "Tinderella" lichtet auch ein Auto ab. Und wie in Deutschland ist hier BMW die beliebteste Marke. Bei gezeigten Sportaktivitäten liegen Fitness und – Klischee olé – Wintersportarten vorne. Österreichs Online-Dater weisen übrigens weltweit die höchste Sport-Quote bei ihren Fotos auf.

Auch in einem anderen Aspekt gereicht es zur Weltspitze. In keinem anderen Land finden sich so viele Profilfotos, auf denen jemand Ziehharmonika spielt. Ein kulinarischer Aspekt wird Kenner des Landes nicht überraschen. Auf jenen Aufnahmen, auf denen Getränke zu sehen sind, dominiert Bier vor Schnaps.

Männer inszenieren sich als Versorger

Wortwörtlich beim Anbraten sind auf den Tinder-Pics vor allem die heimischen Herren zu sehen. Sie stellen mit 90 Prozent die klare Mehrheit auf jenen Fotos, auf denen gerade Essen gegrillt wird. Sie liegen auch bei Bildern mit Waffen weit vorne (knapp 91 Prozent). Gleiches gilt auch für Aufnahmen in Superheldenkostümen und beim Angeln (knapp 90 Prozent).

Überhaupt, so heißt es in der Analyse, neigt auch der moderne Mann bei der Partnersuche im Netz dazu, sich "archaisch als Ernährer und Versorger" darzustellen. Ein Indiz dafür ist auch die im Vergleich mit Frauen häufigere Abbildung mit Nutztieren wie Fischen oder Schweinen.

Die Österreicherinnen dominieren hingegen bei Pferdefotos. Die klare Mehrheit, jeweils mit fast 70 Prozent oder mehr, stellen sie auch bei Yogaposen, Pilatesübungen und Tanzaufnahmen. Sie zeigen sich zudem viel häufiger in eng anliegendem Gewand und Badekleidung. "Oben ohne"-Fotos sind dagegen klar in Männerhand (96 Prozent), was mitunter auch damit zu tun haben dürfte, dass entsprechende Aufnahmen für Frauen kaum machbar sind, ohne gegen die Richtlinien von Tinder zu verstoßen. Die Tendenz hier entspricht übrigens auch den internationalen Zahlen.

Ungleiche Geschlechterverteilung

Was den österreichischen Tinder-Singlemarkt nicht vom Rest der Welt unterscheidet, ist die Geschlechterverteilung. Knapp 76 Prozent der österreichischen Nutzung sind laut der Untersuchung männlich. Rund 51 Prozent der User gehören der Altersgruppe zwischen 25 bis 34 Jahre an. Hier ist die Geschlechterverteilung mit 22 zu 78 Prozent nochmals unausgewogener. Unter den 35- bis 44-Jährigen ist der Männerüberhang (82 Prozent) sogar noch größer.

Wie auch die Onlinedater aus anderen Ländern zeigen die Österreicher eine klare Präferenz für Haustierfotos auf Profilbildern. Während Katzen quasi das restliche Internet an sich gerissen haben, ist Tinder mit 76 Prozent fest in Hundepfote. Die Stubentiger müssen sich mit Platz zwei und 23 Prozent "Marktanteil" begnügen. Andere Wohnungstiere kommen so gut wie gar nicht vor.

Als Grund vermuten die Studienautoren, dass ein Hund nach außen mehr Verantwortungsbewusstsein transportiert, benötigt er doch mehr Zuwendung als Katzen. Gleichzeitig trägt er bei Spaziergängen oder beim Laufen dazu bei, das Image einer Couchpotato zu vermeiden.

Zur Erhebung

Laut singleboerse.at wurden 22.285.543 Profilbilder aus 16 Ländern zur Analyse herangezogen. Mittels Deep Learning und KI wurden diese auf mehr als 6.000 "Aspekte" überprüft. Zur Verifizierung des Mechanismus wurden von Menschen Stichproben vorgenommen. (gpi, 5.12.2017)