Foto: APA / Helmut Fohringer

Udo Landbauer: Blauer Berufspolitiker mit Hang zur Kante

Porträt |
5. Dezember 2017, 07:00

Der Spitzenkandidat der niederösterreichischen FPÖ kämpft um Aufmerksamkeit – und schreckt dabei vor wenig zurück

St. Pölten – Man darf in der Politik nicht zartbesaitet sein, sagt Udo Landbauer. Mehr als die Hälfte seines Lebens betätigt sich der 31-Jährige schon in der FPÖ oder ihren Vorfeldorganisationen – just bei jener Partei, die gerne den Zeigefinger erhebt bei Politikern wie ihm, die nie in der Privatwirtschaft gearbeitet haben. Den Vorwurf, er sei ein Berufspolitiker, "den muss ich aushalten".

Einiges aushalten muss auch Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) – und zwar vonseiten Landbauers, der für die FPÖ als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im größten Bundesland antritt. Weil Kinder in Landeskindergärten türkisch zählen lernen, titulierte er Mikl-Leitner als "Moslem-Mama".

Ellbogentaktik

"Sollte sich Frau Mikl-Leitner dadurch persönlich beleidigt fühlen, tut es mir natürlich leid", sagt Landbauer – großgewachsen, dunkler Typ, gut sitzender Anzug – zurückgelehnt in seinem Büro im St. Pöltener Regierungsviertel. Mit "überspitzten" Aussagen lande man am Radar der Journalisten. Dass das nötig sei, finde er nicht gut, "aber es ist halt eine Gegebenheit". Manchmal müsse man sich "mit der Ellbogentaktik ein bisschen nach vorne kämpfen, um gesehen zu werden". Wie im Leben, sagt Landbauer.

Seines begann 1986 im niederösterreichischen Neunkirchen. Zu den Freiheitlichen führte ihn eine "familiäre Vorbelastung": Damit meint der Politiker nicht seine Mutter, die aus dem Iran nach Österreich gekommen ist, sondern den Vater und den Bruder, die beide in der FPÖ aktiv waren. Nachdem er mit 13 oder 14 beim Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) an dockte, "hat mich das Fieber gepackt, und dann bin ich nicht mehr herausgekommen". In dieser Zeit trat er auch der Burschenschaft Germania bei ("ein traditionswahrender Verein") und stieg im RFJ weiter auf. Als deren Obmann sagte er 2008 im Ö1-Interview: "Grundsätzlich ist eigentlich alles zu hinterfragen", auch das Verbotsgesetz, denn "es muss die Möglichkeit geboten werden, in einer Demokratie offen zu reden". Heute sagt Landbauer dazu, es gebe eine "klare gesetzliche Regelung, die so bleiben muss, wie sie ist". Die RFJ-Bundesobmannschaft will Landbauer 2018 abgeben, der Nationalratsabgeordnete Maximilian Krauss soll ihm dann nachfolgen.

Denn Landbauer hat dann womöglich andere, fordernde Aufgaben – als Mitglied der niederösterreichischen Landesregierung. Nicht dass ihm jetzt langweilig wäre. Sitzt er doch als Stadtrat in der schwarz-blauen Wiener Neustädter Stadtregierung und als Abgeordneter im niederösterreichischen Landtag.

Die Spitzenkandidatur war so nicht geplant: Noch im März stellten die Blauen den Nationalratsabgeordneten Walter Rosenkranz als Spitzenkandidaten vor. Nach der Nationalratswahl verlautete Parteichef Heinz-Christian Strache, Rosenkranz werde nun in Wien gebraucht – und Landbauer soll einspringen.

Geld und Ansehen

Steckte dahinter doch auch die Überlegung, der schwarzen Landeshauptfrau einen jüngeren, kantigeren Herausforderer gegenüberzustellen? "Dass Walter Rosenkranz ein anderer Typ ist als ich, ist jetzt kein Geheimnis" , sagt Landbauer. Nach den Unterschieden zu Rosenkranz gefragt, überlegt Landbauer und sagt dann: "Walter Rosenkranz ist fünfzig plus, ich nicht." Viel mehr gebe es da nicht. "Mag sein, dass er die Spur ruhiger ist."

Horst Karas, Landbauers SPÖ-Kollege im nach Proporz besetzten Wiener Neustädter Stadtsenat, glaubt nicht, "dass Landbauer ein überzeugter Politiker ist, sondern dass es ihm um andere Dinge geht – Geld, Ansehen" , sagt Karas. Landbauer habe sich dazu hinreißen lassen, einen ausländerfeindlichen Kurs zu fahren und scharf gegen die Landeshauptfrau vorzugehen – sich so bei der eigenen Klientel einzusetzen und "gleichzeitig mit Klaus Schneeberger (Wr. Neustadts Bürgermeister, Anm.) kuscheln: Das ist nicht integer", sagt Karas. Persönlich sei Landbauer "lösungsorientiert, das muss ich ihm zugestehen", kann aber "mit manchen Menschen herablassend umgehen". Bier würde Karas mit ihm keines trinken gehen.

Einer, der mit Landbauer im Landtag sitzt, glaubt ebenfalls, dass er "ohne viel Rücksicht auf Ideologie den eigenen Vorteil im Sinn hat". Im persönlichen Kontakt sei er "unnahbar und kühl".

"Persische Wurzeln"

Dass nach der Affäre rund um Landbauers "Moslem-Mama"-Sager seine eigenen "persischen Wurzeln" etwa vom Kurier – wieder einmal – aufgegriffen wurden, amüsiert Landbauer, immerhin sei das ja "seit einer halben Ewigkeit bekannt". Seine Mutter, die immer im Job und in Vereinen engagiert sei, beweise ja erst, wie wichtig die Forderungen der FPÖ nach Integration seien. Auch dass das manchen Blauwähler abschrecken könnte, findet Landbauer lächerlich, "denn unsere Wähler wählen uns nicht, weil wir auf die Ausländer schimpfen".

Man schimpfe ja auch nie auf die Zuwanderer als Menschen. Nein, sagt Landbauer, die FPÖ kritisiere lediglich die Politik, "die diese Massenzuwanderung verursacht hat von Leuten, die völlig kulturfremd sind, kein Interesse haben, sich zu integrieren" und "primär auf den Bezug von Sozialleistungen aus sind". Ob das bei den Wählern auch so ankommt? "Davon bin ich überzeugt." (Sebastian Fellner, 5.12.2017)