Biometrische Gesichtserkennung: Schnell ermittelt

Kommentar |
4. Dezember 2017, 17:38

In Wahrheit ist das technisch faszinierende Update einer Verschärfung der Ein- und Ausreisekontrollen geschuldet

Vielflieger können sich freuen: Die neue biometrische Gesichtserkennung am Wiener Flughafen, die derzeit gerade im Probebetrieb läuft, wird Wartezeiten verkürzen. Nur: Je schneller man bei Reisen hinaus aus dem Schengenraum durch die Passkontrolle kommt, desto länger kann man dann im kuscheligen Wartebereich vor den Gates die Zeit totschlagen.

Dasselbe gilt bei der Einreise: Die rasche Roboterabfertigung, die überprüft, ob Pass und Passinhaber zusammengehören, wird in der Warteschlange bei der Gepäckausgabe abgebremst. Denn schneller als jetzt kommen die Koffer und Taschen nach der Ankunft am Airport VIE auch künftig nicht aufs Förderband.

In Wahrheit ist das technisch durchaus faszinierende Update aber einer Verschärfung der Ein- und Ausreisekontrollen geschuldet – genauer gesagt einer Veränderung im Schengener Grenzkodex. Nun müssen nämlich auch wieder die Daten von EU-Bürgern bei der (Wieder-)Einreise in die EU lückenlos mit dem Schengener Informationssystem abgeglichen werden. Letzteres ist die größte gemeinsame Polizeidatenbank innerhalb der Schengenstaaten. Dieser Mehraufwand bei der Passagierkontrolle ist nur mit einer Aufstockung des Personals zu schaffen – oder eben mit der Anschaffung von nimmermüden Maschinen.

Rascher wird durch das sogenannte E-Gate also nur eines gehen: der anlasslose Abgleich unserer persönlichen Daten in einer internationalen Verbrecherdatei. (Michael Simoner, 4.12.2017)

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