Dengue-Fieber: Philippinen verbieten umstrittenen Impfstoff

5. Dezember 2017, 11:28

Das Mittel könne die Krankheit in einigen Fällen sogar verschlimmern, räumt der Pharmakonzern Sanofi ein

Manila – Nach der Impfung Hunderttausender Kinder auf den Philippinen mit einem potenziell gefährlichen Impfstoff gegen Dengue-Fieber verbietet das Land nun das Mittel. Die philippinische Gesundheitsbehörde untersagte am späten Montagabend den Verkauf, Vertrieb und das Marketing für den umstrittenen Impfstoff Dengvaxia des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Der bereits auf dem Markt befindliche Impfstoff müsse zurückgerufen werden. Die Behörde wies Sanofi zudem an, eine Informationskampagne aufzulegen. Daneben solle jeder Fall gemeldet werden, der belege, dass eine Impfung mit Dengvaxia zum Tode oder zu einer schwerer Erkrankung geführt habe.

Auf den Philippinen wurden in den vergangenen Jahren in einer breit angelegten Impfkampagne rund 734.000 Kinder ab neun Jahren mit Dengvaxia geimpft. Sanofi musste nun eingestehen, dass das Mittel die Krankheit in einigen Fällen sogar verschlimmern könnte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass der Impfstoff nur an Menschen verabreicht werden solle, die sich vor einer Impfung bereits mit Dengue-Fieber infiziert hätten. Die Behörde hofft, bis Jahresende eine vollständige Überprüfung der Daten über den Impfstoff abschließen zu können. In Brasilien, wo das Mittel ebenfalls zugelassen ist, wurde der Einsatz von Dengvaxia bereits beschränkt, aber noch nicht vollkommen untersagt.

Neue Studiendaten veröffentlicht

Dengue-Fieber gehört zu den am weitesten verbreiteten fieberhaften Infektionen und wird von Mücken übertragen. Nach Schätzungen der WHO gibt es weltweit jährlich 390 Millionen Infektionen mit Dengue-Fieber. Dengvaxia war der erste Impfstoff gegen die Erkrankung und ist in elf Ländern auf dem Markt. Sanofi veröffentlichte in der vergangenen Woche neue Studiendaten. Demnach könne bei Patienten, die sich erstmals nach Verabreichung der Vakzine mit dem Erreger infiziert hatten, die Krankheit schwerer verlaufen. Bei Patienten, die bereits eine Infektion hatten, biete Dengvaxia dagegen einen anhaltenden Schutz.

Sanofi hatte einst große Hoffnungen an Dengvaxia geknüpft und dem Mittel Blockbuster-Potenzial zugetraut. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen mit dem Impfstoff aber nur 55 Millionen Euro um, Analysten haben ihre Erwartungen heruntergeschraubt. Bis 2022 gehen sie von einem Umsatz von rund 360 Millionen Euro mit dem Mittel aus.

Ein Bericht der WHO hatte bereits Mitte 2016 auf die mit dem Impfstoff verbundenen Risiken hingewiesen. Nach Angaben von Sanofi liegen dem Unternehmen bislang noch keine berichteten Todesfälle wegen Dengvaxia vor. Das Unternehmen wies zudem darauf hin, dass nur bei zwei von 1000 Fällen das Risiko einer schweren Dengue-Erkrankung bei zuvor nicht Infizierten bestehe. Diese Patienten hätten sich mit entsprechender medizinischer Behandlung wieder voll erholt. (Reuters, 5.12.2017)