Foto: St. Nikolausstiftung/Stefan Knittel

Kindergarteninitiative fordert verbindliche Qualitätsstandards

5. Dezember 2017, 12:24

Die Initiative "Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung" fordert österreichweite, einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards für Elementarpädagogik

Wien – Von den 9.267 Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich (4.574 Kindergärten, 1.882 Kinderkrippen, 1.731 altersgemischte Betreuungseinrichtungen und 1.080 Horte – Stand 2016) werden 4132 von privaten Trägerorganisationen geführt. Kinderfreunde, Hilfswerk, Volkshilfe, Caritas und St. Nikolausstiftung haben sich zusammengeschlossen und die Initiative "Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung" gegründet, um gemeinsam ihre Anliegen zu vertreten.

Die wesentlichen Forderungen sind einheitliche und verbindliche Qualtiätsstandards für die mehr als 360.000 Kinder, die aktuell eine Krippe, einen Kindergarten oder eine altersgemischte Gruppe besuchen. Denn die Rahmenbedingungen in der Bildungseinrichtung dürfen nicht von der Region abhängig sein, in der ein Kind lebt.

Frühkindliche Bildung

Welche Kriterien das sind, dazu haben die Mitglieder der Trägervereine vor dem Hintergrund ihrer Praxiserfahrungen und mit Blick auf die Situation in Österreich klare Vorstellungen:

Entscheidend für die Qualität der Kinderbetreuung ist vor allem die Größe der Gruppe bzw. die Betreuungsdichte. Die Trägerinitiative regt daher einen bundesweit gültigen Betreuungsindex an. Die eigenen Erfahrungswerte und Richtlinien aus Wissenschaft und Forschung zeigen: Gruppen in Kinderkrippen der 0-3-Jährigen sollten idealer Weise mit maximal zehn Kindern begrenzt und in Abhängigkeit der Altersverteilung auf einen Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:3 bis maximal 1:5 festgelegt werden.

Für Kindergartengruppen sei eine maximale Gruppengröße von 20 Kindern (2,5- bis 6-Jährige) und je nach Altersverteilung einen Betreuungsschlüssel von 1:5 bis maximal 1:7 empfehlenswert. Bei einem hohen Anteil an Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache ist auch eine individuelle Anpassung des Betreuungsschlüssels an die Gruppenzusammensetzung notwendig.

Steigende Anforderungen

Die Anforderungen an die Elementarpädagogen steigen (Stichworte: Bildungskompass, Transition). Eine bundesweit grundlegende Rahmenorientierung und -struktur in Richtung modularer Ausbildung für alle pädagogischen Berufsbilder mit Verbreiterungs- und Vertiefungsmöglichkeiten sei daher erforderlich, heißt es weiter.

Als Mit-Erzieher spielt auch der Raum eine entscheidende Rolle. Richtig dimensionierte Räume verbessern die pädagogische Prozessqualität. Experten empfehlen mindestens sechs Quadratmeter pro Kind für Innenräume und zwischen sechs und zwölf Quadratmeter für das Außengelände.

"Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung" drängt im Sinne der betreuten Kinder auf einen offenen politischen Diskurs zu einer durchdachten Weiterentwicklung der Elementarpädagogik. (red, 5.12.2017)