Protein begünstigt Bauchspeicheldrüsenkrebs

5. Dezember 2017, 11:48

Forscher konnten ein bestimmtes Protein identifizierten, das die Bauspeicheldrüsenzellen ungünstig beeinflusst und Gewebeveränderungen verursachen kann

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der aggressivsten Krebsarten und bisher kaum therapierbar. In Österreich erkranken jährlich etwa 1.500 Menschen am Pankreaskarzinom, das sind rund vier Prozent aller bösartigen Krebserkrankungen. Bauchspeicheldrüsenkrebs macht anfangs kaum Beschwerden – deshalb erfolgt die Diagnose zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium. Weniger als zwanzig Prozent der Patienten sind dann noch operabel.

Es ist in der medizinischen Forschung bekannt, dass 16 Prozent der gesunden Menschen und 60 Prozent von an Pankreatitis, also an Bauspeicheldrüsenentzündung, erkrankten Patienten, sogenannte Vorläuferläsionen in der Bauchspeicheldrüse aufweisen. Daraus kann sich später mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit ein Karzinom entwickeln. Aber auch genetische Faktoren, Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes und eine chronische Bauspeicheldrüsenentzündung spielen eine Rolle. Wie all diese Faktoren miteinander zusammenhängen und welche Mechanismen dahinter stehen, war bislang unklar.

Wissenschafter vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien und Molekularbiologen von der University of California in San Diego konnten nun im Rahmen einer Studie am Tiermodell und an menschlichem Zellmaterial nachweisen, dass eine Störung der Autophagie der Zellen an der Entstehung des Karzinoms mitbeteiligt ist. Die Autophagie ist jener notwendige Vorgang im Körper, bei dem Zellen eine Art Recycling betreiben und eigene Bestandteile abbauen und wiederverwerten, sowie schlechte Proteine und zelluläre Abfälle abstoßen.

Risikofaktoren beeinflussen

Wenn eine solche Störung vorliegt, die zum Beispiel durch Rauchen und Übergewicht verursacht werden kann, verschlechtert das die genetisch verursachten, bestehenden Läsionen an den Bauchspeicheldrüsenzellen, deren Funktion die Produktion von Verdauungsenzymen ist. Es kommt dann zu einer ungewöhnlichen Anhäufung des Proteins p62/SQSTM1, das typischerweise bei chronischer Pankreatitis und in den Vorläuferläsionen (pankreatische intraepitheliale Neubildungen PanIN; Anm.) erhöht ist.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Akkumulation von p62/SQSTM1 die Entstehung von frühen Vorläuferläsionen, den sogenannten azinär-duktalen Metaplasien begünstigt. In der Folge entsteht aus einer Kaskade molekularer Aktivitäten dann das Pankreaskarzinom. Dabei bewirkt zunächst das Protein p62 eine Verlagerung eines weiteren Proteins namens NRF2 in den Zellkern. Dieses wiederum stimuliert die Produktion vom Protein MDM2. Erhöhtes MDM2 wandelt Azinarzellen, die bestimmte krebsverursachende Genmutationen aufweisen, in stark wuchernde Duktzellen um. Daraus wächst schließlich der maligne Bauchspeicheldrüsentumor.

Das Ergebnis der Studie legt den Forschern zufolge den Schluss nahe, dass ein neuer therapeutischer Ansatz in der Behandlung der Autophagie liegen könnte, da die meisten genannten Risikofaktoren diesen Prozess stören. Die Entwicklung zielgerichteter MDM2-Medikamente könnte zukünftig die Entstehung des bösartigen Bauchspeicheldrüsenkrebses bei Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko verhindern, betonen die Wissenschafter. (red, 5.12.2017)