Foto: Theater an der Wien

"Brünnhilde": Der Ring als Ringelspiel

5. Dezember 2017, 13:46

Der letzte Teil der Ring-Trilogie im Theater an der Wien wurde von der charismatischen Ingela Brimberg getragen

Wien – Das Schicksal geht mit Göttern und Menschen nicht immer fair um – das lernt der Opernbesucher unter anderem von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Am Ende des ungewöhnlichen Patchwork-Rings gab es im Theater an der Wien Jubel für die meisten Sänger, allen voran für die souveräne Ingela Brimberg als kämpferische, edle, stimmstarke Brünnhilde.

Aber die wahre Hauptdarstellerin des Abends blieb unbelohnt: die Drehbühne. Öfter als ein Ringelspiel im Prater hatte sich das arme Ding zu drehen. Trotzdem: Fader hat die Götterwelt selten abgedankt.

Doch nicht nur die Sehnerven der Zuschauer, auch Held Siegfried musste leiden. Daniel Brenna hatte in Brünnhilde, dem letzten Teil der Trilogie, die Tötungen Nummer Drei (im Intro) und Vier (Götterdämmerung) innert 52 Stunden zu erleiden.

Doch auch die dreitägige vokale Tour der Force ging an die Substanz, man konnte es an den kurz angeschrienen Spitzentönen hören. Der US-Amerikaner gab den Siegfried als impulsiven Halbstarken, dessen konsonantenscheue Kaugummikau-Aussprache allerdings befremdete.

Prägnant und sinister hingegen der Hagen von Samuel Youn, eindrucksvoll auch das kurze vokale Wirken von Kristján Jóhannesson (Gunther) und Liene Kinca (Gutrune). Ann-Beth Solvang sang eine weich timbrierte Waltraute, wohlausgewogen die selbstbewussten Rheintöchter mit Street-Credibility, mittelmäßig Aris Argiris (Wotan).

Wucht und Wärme

Constantin Trinks und das ORF RSO Wien machten Wagners Musik auch in der kleiner besetzten Abbass-Fassung zum Suchtmittel, boten Wucht und Wärme.

Henrik Ahrs Bühnenbilder pendelten zwischen bedrückender Enge (der hinterbühnenschwarze Walkürefelsen bzw. Wagners Komponierstollen) und kahler Weite (die weiße Bühne der Götter mit einem Vorhang, der nie aufging). Die Kostüme von Barbara Drosihn erfreuten mit Sinnlichkeit und Eleganz.

Tatjana Gürbacas Einrichtung verlor sich etwas im Niemandsland zwischen Ewigkeitsanspruch und Gegenwartsnähe. Ihre vitale, körperliche Personenführung erfrischte, einige Comedy-Elemente wirkten aufgesetzt. Und, leider: Verständlich inszeniert war die neu geschaffene Schicksalsschlagfolge von der Walküre bis zur Götterdämmerung auch nicht. Wie sagt Hagen final nochmal? "Zurück vom Ringe!" (Stefan Ender, 5.12.2017)

Theater an der Wien, 10., 19., 31.12. 18.30