Foto: AP/David Young

Mehr als 40 Verletzte bei Zugunglück in Nordrhein-Westfalen

6. Dezember 2017, 12:40

Nachdem ein Regionalexpress auf einen Güterzug prallte, waren Rettungskräfte im Großeinsatz – Personenzug war auf falschem Gleis

Meerbusch – Bei einem schweren Zugunglück im nordrhein-westfälischen Meerbusch sind am Dienstag Dutzende Menschen verletzt worden. Von den etwa 150 Insassen eines Personenzugs, der auf einen Güterzug aufgefahren war, wurden nach Angaben von Feuerwehr und Bundespolizei mehr als 40 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Zahlreiche Rettungskräfte waren bis in die Nacht hinein vor Ort.

Der Personenzug hätte den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen: Das sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn am Mittwoch. Warum der Zug die Strecke bei Meerbusch dennoch befuhr, müsse nun geklärt werden, erklärte die Ermittlungsstelle. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer, betonte Sprecher Gerd Münnich. So müsse etwa noch ermittelt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen seien oder vom Lokführer übersehen wurden.

Die Feuerwehr in Meerbusch sprach von 41 leicht, drei mittelschwer und drei schwer Verletzten. Eine Stunde später war in einer Mitteilung der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin nur noch von 41 Leichtverletzten sowie von drei schweren Verletzungen die Rede, darunter ein Beinbruch.

Die Zahlen seien mit der Feuerwehr abgestimmt, eine endgültige Bilanz werde voraussichtlich nach Einsatzende mitgeteilt, hieß es weiter. Zuvor hatte bereits Verwirrung geherrscht, weil die Bundespolizei zunächst von rund 50 und dann von fünf Verletzten gesprochen hatte.

Strecke zwischen Krefeld und Neuss

Laut Deutscher Bahn ereignete sich das Unglück gegen 19.30 Uhr auf der Strecke zwischen Krefeld und Neuss. Demnach prallte ein Regionalexpress des Unternehmens National Express auf einen Güterzug der DB Cargo. Zunächst erschwerte eine abgerissene Oberleitung, von der Stromschlaggefahr ausging, den Zugang zum Zug. Um 21.15 Uhr konnten die Einsatzkräfte dann den Zug betreten und die Verletzten bergen, wie die Feuerwehr mitteilte.

Zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort. Aus der Region eilten mehrere Feuerwehren zur Unfallstelle. Die Versorgung der Menschen im Zug genieße "hohe Priorität", erklärte die Feuerwehr Meerbusch. Der Lokführer blieb laut Bundespolizei "äußerlich unverletzt", erlitt aber einen Schock. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Die Lage sei "den Umständen entsprechend ruhig", erklärte die Feuerwehr. Vor Ort waren zahlreiche Rettungswagen und auch ein Hubschrauber. Für die Angehörigen der Verletzten wurde an einer nahegelegenen Tankstelle eine Anlaufstelle eingerichtet.

Zugverkehr zunächst eingestellt

Der Zugverkehr zwischen Düsseldorf und Krefeld wurde zunächst eingestellt. Die Strecke sowie die Oberleitung seien bei dem Zusammenstoß des aus zwei Zugteilen bestehenden Personenzugs mit dem Güterzug "erheblich beschädigt worden", erklärte die Deutsche Bahn AG am späten Dienstagabend. Die Reparaturarbeiten würden nach der Bergung der Züge "schnellstmöglich beginnen". Über ihre voraussichtliche Dauer könne frühestens am Mittwoch Auskunft gegeben werden.

Fahrtenschreiber ausgelesen

Die Fahrtenschreiber beider Züge seien laut der Ermittlungsstelle sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken seien Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden.

Danach ergebe sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei diese Strecke zwischen Krefeld und Köln für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. "Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte. (APA, red, 6.12.2017)