Hörschäden durch im Mund explodiertes Ei "eher unwahrscheinlich"

6. Dezember 2017, 14:01

Akustik-Experten gingen der Beschwerde eines Restaurantbesuchers nach

New Orleans – Nach einem ungewöhnlichen Vorfall in einem Restaurant haben Akustikexperten in den USA die Explosionsgefahr von Eiern, wenn sie in der Mikrowelle erwärmt werden, unter die Lupe genommen. Ergebnis: Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein im Mund zerberstendes Ei Hörschäden verursacht, wie Experten auf einem Treffen der Amerikanischen Akustik-Gesellschaft in New Orleans erklärten.

Anlassfall der Untersuchung: Einem Restaurantbesucher "explodierte" ein Ei im Mund, das bereits hartgekocht war und vor dem Verzehr in einer Mikrowelle nochmals erwärmt wurde. Der Gast gab in einem Rechtsstreit an, durch die Explosion nicht nur Verbrennungen im Mundraum, sondern auch Hörschäden davongetragen zu haben.

Einsatz an der Mikrowelle

Akustikexperten sollten nun untersuchen, wie es zu einer solchen Explosion gekommen sein könnte und was diese für Folgen hätte. Dafür erhitzten Anthony Nash und Lauren von Blohn fast 100 hartgekochte, geschälte Eier im Wasserbad drei Minuten lang in der Mikrowelle.

In den meisten Fällen geschah nichts. 30 Prozent der Eier jedoch überstanden zwar unversehrt die Mikrowellen-Prozedur, explodierten aber anschließend, wenn man mit einem scharfen Gegenstand in sie hineinstach. "In 30 Zentimeter Entfernung entstanden Schallwellen-Spitzen von 86 bis 133 Dezibel", sagte Nash laut einer Mitteilung. Zum Vergleich: Ein Düsenjet in 15 Meter Entfernung erreicht einen Schalldruck von 120 Dezibel.

Der vermutliche Ablauf

Nash und von Blohn stellten zudem fest, dass die Temperaturen im Eidotter stets deutlich höher waren als im Wasserbad drumherum. Grund für die Explosion könnte sein, dass sich durch die Mikrowellen die Protein-Matrix des Dotters verfestigt und darin winzige Wassertaschen eingeschlossen werden. Dieses Wasser erhitzt sich schließlich über die normale Kochtemperatur hinaus, vermuten Nash und von Blohn. Steche oder beiße dann jemand in das Ei hinein, werden die fragilen, superheißen Taschen zerstört, und es kommt es zu einer explosionsartigen Kettenreaktion.

"Statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein explodierendes Ei das Gehör von jemandem schädigt, eher gering", betont Nash. Angesichts des US-Justizsystems und der vielen Präzedenzfälle von Klagen wegen fehlender Warnhinweise hält er es aber für gut möglich, dass Mikrowellen-Hersteller künftig eine Warnung vor Hörschäden in ihre Gebrauchsanweisungen aufnehmen werden. (APA, red, 6. 12. 2017)